Von Martin Leineweber

Im Jahre 2018 nahm sich die Regino-Theater-AG mit Nikolai Gogols Komödie „Der Revisor“ eines Themas an, das vor allem im ländlichen Raum, sprich in Dörfern und Kleinstädten, nicht nur im Russland des frühen 19. Jahrhunderts, sondern immer wieder neu Aktualität gewinnen kann – vielleicht sogar in Prüm. Im Bemühen, keinesfalls als provinziell oder gestrig zu gelten und jedem Gerücht Glauben schenkend, erblinden die Menschen im Dörfchen Molotow und legen im Umgang mit der (vermeintlichen) Obrigkeit ihre Kritikfähigkeit ab, zahlen skrupellos Schmiergelder und verkaufen sogar Frau und Kind, aus Angst, ihre teuer erkaufte gesellschaftliche Stellung zu verlieren. Aus einem anderen Blickwinkel betrachtet, zeigt das Stück auch den Automatismus der Ausbeutung auf. Der blinde Ehrgeiz der Menschen verhindert, dass sie den Revisor – im Gegensatz zum Publikum – selbständig als einen dahergelaufenen Aufschneider enttarnen. Nicht einmal dessen Behauptung, er habe sämtliche Klassiker der russischen Literatur selbst verfasst – eine wunderbare Stelle in der Inszenierung –, veranlasst die Menschen an seiner Echtheit zu zweifeln. Erst als er mit vollgestopften Taschen über alle Berge verschwunden ist, fliegt die Sache auf und die Menschen müssen sich mit dem echten Revisor auseinandersetzen.

Eine köstliche Geschichte der Verwechslung wurde da in der Turnhalle des Regino-Gymnasiums vor einem raffiniert minimalistischen Bühnenbild, garniert mit selbstgemachten Fragmenten russischer Volksmusik in Szene gesetzt. Möglicherweise wurde mit dem Ziel, einzelne Darsteller in ihrer Bühnenpräsenz nicht allzu sehr zu beschneiden, der Modus der Geldbeschaffung durch den vermeintlichen Revisor in der zweiten Hälfte des Stücks etwas überstrapaziert. Davon abgesehen, begeisterte die Inszenierung durch ein erfrischend hohes Tempo; es gab keinen Leerlauf, ein gedankliches Abschweifen wurde dem Zuschauer nicht gestattet, die Deklamation war durchweg deutlich und klar. Schauspielerinnen und Schauspieler fielen nie aus der Rolle und legten höchstes Können an den Tag: Nils Becker als Bürgermeister, Jana Dingels als dessen Frau, Lena Schmitz als deren Tochter, Anne-Ly Redlich und Jessica Becker als die Damen Dob- und Bobtschinskaja (stets im Doppelpack auftretend), Cosima Kremer, als Hausangestellte, Max Becker als Schulinspektor, Peter Nahrings als Richter, Sophie Becker als Postmeisterin, Thure Székessy als Arzt und Mia Redlich als Kellnerin.

Man kommt nicht umhin, die Einzelleistung Luca Dimmers in der Rolle des Revisors Chlestakow hervorzuheben. Die Entwicklung von einem noch unsicheren Ankömmling, der zunächst an die Gutmütigkeit der Dorfbewohner glaubt, hin zu einem überheblichen, gierigen, wollüstigen und durch und durch verdorbenen Charakter gelang ihm in glänzender Weise.

 

Allen Mitwirkenden, besonders Dorothea Ehlen und ihrem Team, gebührt ein großes Lob und der Dank der ganzen Schulgemeinschaft.

 

 

Etwas Furchtbares steht bevor! Ein Revisor soll kommen und die Gemeinde unter die Lupe nehmen!

So geschieht es in einem Provinzstädtchen wie Prüm, nennen wir es Molotow, und es könnte ungemütlich werden, so warnt der Bürgermeister seine Stadtbewohner. Denn jeder hat etwas zu verbergen. Mit Bestechung, Vetternwirtschaft und Glücksspiel werden die öffentlichen Gelder verschwendet, Schule, Krankenhaus und Gericht sind verwahrlost und nicht vorzeigbar.

Vollends schockiert sind die ratlosen Bürger, weil im Gasthaus seit einiger Zeit ein Unbekannter abgestiegen ist, von dem einige behaupten, es sei der Revisor, der sich bereits incognito ein Bild von der Gemeinde mache. Bei diesem jungen Mann handelt es sich aber in Wirklichkeit um den mittellosen Charmeur Chlestakow, der seine Chance ergreift, als die Stadtbewohner anrücken, um ihm mit allen Mitteln seinen Aufenthalt zu versüßen.

Dass es dabei bald drunter und drüber geht, versteht sich von selbst. Der junge Mann und seine Dienerin werden hofiert und umworben und genießen besonders die Aufmerksamkeit der weiblichen Stadtbevölkerung , bis sie schließlich die Flucht ergreifen, weil sich der echte Revisor doch noch ankündigt.

Gogols berühmte Verwechslungskomödie „Der Revisor“ von 1836 ist eine satirischer Spießrutenlauf, der schon zur Entstehungszeit im russischen Zarenreich hohe Wellen schlug und heute noch so aktuell ist wie am ersten Tag.

Die Aufführungen der Theatergruppe des Regino-Gymnasiums finden statt:

Samstag, 16.6. 2018  um 20.00 Uhr

Sonntag, 17.6. 2018 um 20.00 Uhr

Ort ist die Turnhalle des Regino-Gymnasiums

Der Eintritt ist frei.