Von Anne-Ly Redlich

Zu Tisch!

Geladene Gäste: Das Individuum, die Familie, das Kollektiv ohne Grenzen zwischen Ich und Du.

Shakespeare! Eich und Jandl! Strauss und Eichendorff!

Das Menü: Weisheiten und Tollheiten, kaum voneinander zu unterscheiden. Albernheiten, Alltäglichkeiten, Ängste, und was sich sonst noch so findet – in Kühlschrank drin! Alles mit einem ordentlichen Schwips serviert, das versteht sich von selbst.

Bei Tisch wird gegessen, getrunken, geträumt und gestritten. Man lacht, weint, singt und philosophiert und geht sich dabei gegenseitig fürchterlich auf die Nerven. Manch eine bzw. manch einer mag darüber den Verstand verlieren.

All das in nicht viel mehr als einer halben Stunde.

Was die Theater AG am 02. und 03. Juli 2022 abgeliefert hat, hat mich schwer beeindruckt. Selbst geschriebene Stücke machen Spaß, aber auch enorm viel Arbeit. Selbst mit gut eingespieltem Team. Nach zwei Jahren coronabedingtem Ausfall war davon allerdings kaum noch etwas übrig. Für einen Großteil der Mitglieder war es das erste Jahr in der AG und es gab keine feste Struktur mehr, in die sie hätten hineinwachsen können. Zusätzlich fehlte in der AG-Leitung natürlich Frau Kühn, die schmerzlich vermisst wurde.

Trotz alledem haben Frau Ehlen und ihre Truppe es geschafft, die AG wieder auf die Beine zu stellen – aber wie! Unterstützt wurden sie dieses Jahr außerdem tatkräftig von der Referendarin Frau Neu, die der ganzen Gruppe offensichtlich sehr ans Herz gewachsen ist.

Das Ergebnis ist ein Stück, das das Leben der AG-Mitglieder auf mitreißende Weise spiegelt und verarbeitet. Teils lyrisch-verklärt, teils sehr konkret und dann wieder einfach urkomisch kommen Alltagssituationen, Gefühlslagen und existenzielle Sinnfragen „auf den Tisch“. Der steht dabei wie selbstverständlich immer im Mittelpunkt des Geschehens.

Die verschiedenen Szenen werden collagenartig aneinandergereiht, wirken dabei aber nicht unzusammenhängend. Sie zeigen, was die AG-Mitglieder bewegt: Die Schwierigkeiten des sozialen Zusammenlebens, insbesondere in der Familie. Die vielen kleinen, schmerzhaften Bemerkungen, die man nicht mehr hören möchte. Die Träume, die so oft als unrealistisch abgeschmettert werden. Die verzweifelte Suche nach einem Sinn hinter allem, den es doch geben muss. Die Ängste, die sich immer wieder einschleichen. Und nicht zuletzt auch die Frage nach der eigenen Verantwortung in dieser krisenerschütterten Welt.

All das zeigt einen wahnsinnigen Mut zur Ehrlichkeit mit sich, mit den eigenen Gefühlen, mit dem Umfeld. Ich finde das bemerkenswert in einer Welt, in der Gefühl so lange als Schwäche gegolten hat und Ängste möglichst nicht gezeigt werden sollten.

Ernsthaftigkeit und Komik gehen in dieser Aufführung Hand in Hand und so torkelt man letztlich verwundert, beschwingt, vielleicht etwas verwirrt, aber auch tief beseelt aus dieser Erfahrung heraus in den Sommerabend. Fast könnt‘ das ein Schwipserl sein, doch es ist kein Schwips, oh nein!

Bericht und Kommentare des Grundkurses Deutsch Jg.12 von Frau Susanne Faschin

Das Theaterstück „Zu Tisch“, konzipiert und aufgeführt am 04. Juli 2022 (Schulaufführung am Montag) von der Theater-AG des Regino-Gymnasiums Prüm, handelt von dem Konflikt zwischen „Sein und Schein“ in der Gesellschaft verbunden mit zerschlagenen Träumen, Vorwürfen und Ängsten.
Beginnend mit einer Szene zur Positionierung des Tisches werden direkt Streitigkeiten innerhalb der Familie deutlich. Auch in der zentralen Tischszene, in der die gesamte Familie zu Tisch sitzt, bieten sich anstelle von Harmonie Streitigkeiten und Disharmonie dar, während das Foto, welches ein Familienmitglied in der Szene macht, dies nicht zeigen würde. Von dieser zentralen Szene aus und immer wieder zu ihr zurückkehrend zeigt das Theaterstück Szenen von Ängsten, Vorwürfen und zerplatzen Träumen. Schließlich endet das Theaterstück dennoch in einer fröhlichen, positiven und harmonischen Einheit der Familie allerdings unter Alkoholeinfluss, so zeigt die Schlussszene ein bekanntes Problem: das Verdrängen der Sorgen durch Alkohol.
Die Schauspielerinnen tragen ein Oberteil mit einem „fadenartigen“ Detail. Somit sind die Kostüme sowie auch der Szenenhintergrund eher reduziert, vor allem der Tisch steht im Mittelpunkt des abstrakten Bühnenbildes. Dies lässt den Zuschauern Interpretationsspielraum und der Fokus wird klar auf die gesprochenen Worte gerückt. Die angestrahlten Bilder verstärken den Aspekt des Interpretationsspielraums, da bei jedem Zuschauer vermutlich andere Assoziationen ausgelöst werden.
Kommentare des Deutsch-Grundkurses (Lehrerin: Frau Susanne Faschin):
Nicht nur die sehr kontrasthaltigen Szenen, sondern auch außerordentlich anerkennenswerte Gesangsoli haben dafür gesorgt, dass nicht nur Abwechslung gegeben ist, sondern auch dass man das Thema sowie die Aussage des Stücks interpretatorisch erschließen kann.
Das Theaterstück hat mich persönlich sehr überzeugt, da ich mich vor allem im Aspekt der Ängste vor der Zukunft sehr gut mit den herausragenden Aspekten identifizieren kann. Dies liegt an der sehr überzeugenden Kunst der Schauspielerinnen selbst, welche sehr selbstsicher und authentisch geschauspielert haben. Besonders beeindruckend finde ich die Gesangseinlage der Hauptrolle am Schluss.
Aufgrund des sehr ausdrucksstarken Darstellens der abstrakten Handlung, unterstützt durch eindrucksvolle Gesangseinlagen von Mia Redlich, wird das Publikum zum Nachdenken angeregt und die Gesamtsituation lässt in jeder Hinsicht großen interpretatorischen Freiraum.
Mir hat die schauspielerische Leistung sehr gut gefallen. Besonders haben sich die Gesangseinlagen bei mir eingeprägt. Jedoch habe ich während der Aufführung Probleme gehabt, den Inhalt und das Thema des Theaterstückes zu verstehen, was mich aber im Nachhinein zum Nachdenken angeregt hat.