18.09.2019 :: Fachschaften / Musik / Carmina Burana 2019 / 

Volles Haus, gewaltiger Klang

Die Aufführung von Carl Orffs Carmina Burana in der frisch sanierten Basilika Prüm gerät zum Triumph für alle Beteiligten. Inklusive einer besonderen Zugabe für die eingespannten Schüler des Regino-Gymnasiums.

Von Fritz-Peter Linden mit freundlicher Genehmigung des Trierischen Volksfreundes

Prüm Fortuna, die anfangs in den „Carmina Burana“ angerufene Schicksals-Chefin, hat es gut gemeint mit den Akteuren: Am Ende der Aufführung in der Prümer Basilika, am Sonntag erstmals nach der teuren Innensanierung wieder für ein großes Konzert geöffnet, kriegt sich das Publikum gar nicht mehr ein.

Alle stehen – und bleiben, immer wieder neu aufjubelnd, in der Aufrechten. Und spendieren einen Applaus, wie man ihn in dieser Länge dort bisher noch nicht erlebt hat. Frenetisch, sagt dazu wohl der Fachmensch.

Und verdient: Denn der Zuspruch gilt einem überzeugend geglückten Experiment mit hohem Risiko. Carl Orffs Vertonung der „Lieder aus Benediktbeuern“, lebenssatt und deftig, ist zwar seit mehr als 80 Jahren ein ziemlicher Hit. Wenn man das alles aber gemeinsam mit Schülern – im Chor und an den Instrumenten – auf die Bühne bringen will, wird die Sache spannend.

Die Aufführung war ein Projekt, das Regionalkantor und Dirigent Christoph Schömig zusammen mit dem Regino-Gymnasium, den Musiklehrern und den Schülern angegangen war – sowie dem Kammerchor Westeifel, der Jungen Philharmonie Bonn und den Solisten Ursula Thies (Sopran), Carlos Moreno Pelizari (Tenor) und Tobias Scharfenberger (Bariton).

Sie schlagen sich bestens, natürlich auch dank des Schömig-Dirigats. Der Kantor ist zwar für manchen kaum auszumachen im Gewimmel der mehr als 1000 Zuhörer, die bis hinaus auf den Hahnplatz sitzen, hocken und stehen (die reingebrachten Stühle reichten vorn und hinten nicht aus). Dass er aber stets Herr der Lage bleibt, ist nicht zu überhören.

Schnell ist man beeindruckt von der Klangfülle, die bis weit oben auf den Balkon dringt, vom Wumms, der dem Werk ja auch eingeschrieben ist, ergriffen von den getragenen Passagen, angetan von den Leistungen auch der Solisten: Am Ende, wo sich Mädchen und Junge endlich kriegen, nagelt Ursula Thies nicht nur den ersten, gemeingefährlich hohen Ton, sondern auch die Hingabe, die hier verlangt ist.

„Schmählich Leben“, wie es im ersten Bild und im Schlusswort heißt? Meistens, ja. An diesem Prümer Sommer-Vorabend aber nicht. Und nach dem großen Finale tritt, ins erst allmählich verebbende Geklatsche hinein, noch einmal Schuldirektor Albrecht Petri nach vorn, der auch die Begrüßung und kurze Einführung ins Werk übernommen hatte: Ob denn das werte und – nicht nur beim Applaus – spendierfreudige Publikum nicht auch der Meinung sei, dass diese Schüler einen freien Tag verdient hätten. Da geht der Jubel gleich wieder von vorn los. Wie in den mittelalterlichen Gesängen: „Das Lied beginnt von Neuem, das Rad dreht sich.“