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Karl der Große und seine Bildungsoffensive - Vortrag mit Prof. Dr. Stefan Weinfurter, am 09. Mai 2018

Prof. Dr. Stefan Weinfurter

Von Elfriede Schmitt

Im Rahmen des Europatages im Regino-Gymnasium am 9.05.2018 fand am Nachmittag ein Vortrag über Karl den Großen statt. Im voll besetzten Fürstensaal sprach Dr. Stefan Weinfurter, emeritierter Professor für mittelalterliche Geschichte an der Universität Heidelberg, zum Thema „Karl der Große und seine Bildungsoffensive“.

Am Anfang zeigte sich eine erstaunliche Verbindung, als sich bei der Begrüßung der Schulleiter       Albrecht Petri als ehemaliger Student von Professor Weinfurter outete.

Zur Zeit Karls des Großen ging ab den 70er Jahren des 8. Jahrhunderts eine große Bildungsreform, die sich auf viele Gebiete wie Sprache, Schrift und Naturwissenschaften erstreckte, vom königlichen Hof aus. Das Zentrum befand sich zunächst in Worms und Umgebung, später ab etwa 800 in Aachen. Diese Zeit wird in der Forschung oft als „karolingische Renaissance“ bezeichnet. Die antike Gelehrsamkeit sollte wiederbelebt werden. Viele antike Schriften wurden auf Pergament abgeschrieben. Ohne diese Abschriften wären nur 20 % der aus der Antike heute noch bekannten Schriften überliefert.

Treibende Kraft war Karl der Große selbst. Er berief ein Spitzenteam internationaler Wissenschaftler an seinen Hof, vor allem Alkuin von York, den bedeutendsten Universalgelehrten dieser Zeit, der von seinen besten Schülern begleitet wurde. Einige von diesen wurden später Äbte wichtiger Klöster des Frankenreiches, von wo aus die Bildungsoffensive weitere Verbreitung fand. Zweck war die Unterscheidung von Gut und Böse und somit die Erkenntnis des Richtigen. Daraus erfolgt die Erkenntnis der Wahrheit, von der die Gerechtigkeit abhängt. Zur Erkenntnis aber ist Eindeutigkeit in Sprache und Schrift wichtig, worum man sich besonders bemühte. Sowohl das inzwischen reichlich verdorbene Latein, die Sprache der Kirche und der Gebildeten, als auch die Volkssprachen wurden einer Reform unterzogen, wofür entsprechende Lehrbüchern und Grammatiken entstanden. Es sollten nämlich nicht nur Kleriker und Mönche gefördert, sondern das gesamte Volk gebildet werden, auch Frauen, was für die damalige Zeit erstaunlich war. Das Streben nach Eindeutigkeit und Klarheit der Schrift führte zur Entwicklung der karolingischen Minuskeln. Bei dieser Schrift ist im Gegensatz zu früheren Schriften jeder Buchstabe für sich mit Ober- und Unterlängen klar zu erkennen und die einzelnen Wörter wurden getrennt voneinander geschrieben, während vorher zwischen den Wörtern kein erkennbarer Zwischenraum bestand. Durch die neue Schrift wurde das Lesen wesentlich erleichtert, was wiederum der Eindeutigkeit und Klarheit diente. Diese Schrift wird heute noch bei uns und in vielen Teilen der Welt verwendet.

Der Grund, warum Karl der Große diese Bildungsoffensive durchführte, war sein Bestreben, den inneren Zusammenhalt des Frankenreiches zu erreichen. Zwar spielten auch äußere Erfolge, wie sie ja zu verzeichnen waren, eine große Rolle, aber ein so vielgestaltiges Reich mit großen Unterschieden zwischen Romanen und Nicht-Romanen erforderte Maßnahmen zur Integration. Ein wichtiger Aspekt dafür war ein einheitliches Bildungsniveau.

Am Schluss des Vortrags, der die Bedeutung der Wissenschafts- und Bildungsoffensive Karls des Großen für die weitere Entwicklung in Europa auf der Basis der Eindeutigkeit beleuchtete, wurde als Ausblick die Entwicklung seit einigen Jahrzehnten erwähnt, bei der nicht mehr die Eindeutigkeit im Vordergrund steht. An deren Stelle ist die Vielfalt und Unbestimmtheit getreten. Jedoch ist auch das Streben nach neuer Eindeutigkeit zu erkennen.

„Wir brauchen einen neuen europäischen Kompromiss!“ – Vortrag von Dr. Norbert Röttgen am 04.11.2016 im Fürstensaal

Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses des Deutschen Bundestages, Dr. Norbert Röttgen.

Von Mathias Christmann, Vorsitzender der Fachkonferenz Sozialkunde


Im Rahmen der Vortragsreihe „Europa am Regino“ sprach der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses des Deutschen Bundestages, Dr. Norbert Röttgen, auf Einladung des Vereins der Ehemaligen und Freunde des Regino-Gymnasiums Prüm e. V. am 04.11.2016 um 19:00 Uhr im Fürstensaal.

Über 100 Zuhörer hatten sich an diesem Freitagabend eingefunden, um die Ausführungen des profilierten CDU-Politikers zum Thema „Europa in der Krise?“ zu hören. Soviel vorweg: Sie wurden dafür intellektuell umfassend belohnt!

Der Schulleiter des Regino-Gymnasiums, Herr OStD Petri, brachte in seiner Begrüßung seine Freude über den Besuch von Herrn Röttgen zum Ausdruck – nicht ohne mit einem ironischen Augenzwinkern darauf hinzuweisen, dass der Besuch eines Spitzenpolitikers aus der Bundeshauptstadt im ehedem reichsunmittelbaren Prüm eben nur scheinbar außergewöhnlich sei.

Der Vorsitzende des Vereins der Ehemaligen und Freunde des Regino-Gymnasiums Prüm, Herr Jan Herbst, führte im Anschluss knapp in die Thematik ein und dankte dem ebenfalls anwesenden Bundestagsabgeordneten, Herrn Patrick Schnieder, für die Vermittlung des prominenten Referenten.

Dieser zeigte sich zu Beginn seines Vortrages angetan von dem Ambiente des barocken Fürstensaales und griff die von Herrn Petri vorgegebene Leitfrage für seinen Vortrag auf: Er werde eher über das „Wozu“ der europäischen Einigung sprechen als über das „Warum“, wiewohl auch letzteres eine interessante Überlegung sei.

Herr Röttgen gliederte seinen Vortrag in drei Teile: die veränderte Umgebung Europas, die Dimensionen der Krise und Lösungsansätze zu deren Überwindung.

Die Bundesrepublik Deutschland – dies wurde in dem Vortrag deutlich – kann sich der Verantwortung für die Lösung der Krise nicht entziehen. Es bedürfe eines neuen europäischen Kompromisses und es sei im deutschen Interesse, auf die europäischen Partner zuzugehen.

Sein letztlich dann doch ermunterndes Fazit: Sowohl das Problem als auch die Lösung seien politischer Natur und damit nicht unausweichlich.

Im Anschluss an diesen engagierten einstündigen Vortrag gab es naturgemäß langanhaltenden Applaus. Die Zuhörerschaft war vor allem beeindruckt von der Leidenschaft und der gedanklichen Durchdringung, mit der Norbert Röttgen sein Plädoyer für eine Neuformulierung des europäischen Kompromisses und eine stärkere Rolle Europas in der Welt vortrug.

Die sich anschließende Fragerunde moderierte der Referent kurzerhand selbst und nahm dabei noch einmal zu einer Vielzahl von Fragen Stellung, die sich um die politische Zukunft, die Sicherheit und das Wertesystem der Europäischen Union drehten. Dabei betonte er noch einmal sein christliches Wertefundament, indem er in der Flüchtlingspolitik die Nächstenliebe als zentrale Motivation einer Politik der unbedingten Hilfsbereitschaft einforderte.

 

Ein Plädoyer für die Europäische Union

Dr. Henrik Schott, Präsident des Europäischen Jouranlistenverbandes in der Aula des Regino-Gymnasiums

Aus dem Trierischen Volksfreund vom 5.6.2016 mit freundlicher Genehmigung

(Prüm) Hendrik Schott, Präsident der Vereinigung Europäischer Journalisten war am Freitag, 3. Juni, Gast im Regino-Gymnasium, um über den Journalismus und die Pressefreiheit zu sprechen. Selbstkritische Worte kamen nicht zu kurz.

Im Gegensatz zu vielen anderen Veranstaltungen in der Region, die wegen des Unwetters der vergangenen Tage abgesagt werden mussten, konnte eine ungehindert stattfinden - haben die Mauern des alten Prümer Abteigebäudes doch schon so einige Widrigkeiten überstanden:
Auf Einladung des Vereins der Ehemaligen und Freunde des Regino-Gymnasiums Prüm hielt der Präsident für die deutsche Sektion der Vereinigung Europäischer Journalisten, Hendrik Schott, im Fürstensaal des Prümer Regino-Gymnasiums einen Vortrag zum Thema journalistische Arbeit und Pressefreiheit in Europa.

Anlass der Veranstaltung war die Eröffnung der Vortragsreihe "Europa am Regino", die der Verein in diesem Jahr ins Leben gerufen hat.
Schott, der nach den einleitenden Worten von Schulleiter Albrecht Petri und dem Vorsitzenden des Vereins der Ehemaligen und Freunde, Jan Herbst, das Rednerpult übernahm, lieferte Einblicke in die Arbeit von Journalisten aus Deutschland und ganz Europa. Teils komplexe Sachverhalte erläuterte er an praxisnahen Beispielen - etwa anhand von Erfahrungen aus seiner eigenen Arbeit als Journalist -, um den theoretischen Rahmen etwas zu durchbrechen. Dass der VEJ-Präsident damit auf interessierte Zuhörer stieß, merkte man spätetens an den vielen Fragen, die seitens des Publikums gestellt wurden.
Und wer dachte, ein Präsident warte bei seinem Vortrag über den eigenen Berufsstand nur mit Lobhudelei auf, musste sich eines Besseren belehren lassen. Durchaus selbstkritisch griff er Themen zur europäischen Berichterstattung auf, die zu oft durch die "nationale Brille" beeinflusst seien. "Von außen sieht man dann oftmals klarer", so Schotts Fazit.

Doch obwohl auch in Europa nicht alles optimal sei, wie der Bericht der Reporter ohne Grenzen zeige, hielt er am Ende jedoch ein Plädoyer für die Europäische Union. Als jemand, der jahrelang im Ausland gearbeitet habe, wisse er, dass Europa immer noch ein "Modell für andere Regionen der Welt ist" und wie gut wir es in Deutschland hätten.
Die Veranstaltung abgerundet haben die beiden Schülerinnen Sophia Theis und Mareike Vos. Gemeinsam mit ihrem Lehrer Martin Leineweber sorgten sie mit einem musikalischen Beitrag dafür, den Vortrag ein bisschen auch als Fest daherkommen zu lassen. red/jok

Europa am Regino

Im vergangenen Jahr wurde das Regino-Gymnasium in Prüm zur Europaschule des Landes Rheinland-Pfalz ernannt. Dies hat der Verein der Ehemaligen und Freunde des Regino-Gymnasiums Prüm e.V. nun zum Anlass genommen, eine Vortragsreihe zum Themenschwerpunkt Europa aufzulegen. Unter dem Titel „Europa am Regino“ wird es mehrere Vorträge geben, die Europa und die Europäische Union aus verschiedenen Blinkwinkeln und mit den unterschiedlichsten Fragestellungen beleuchten.

Dazu der Vorsitzende Jan Herbst: „Gerade jetzt ist es wichtig, über Europa zu sprechen und den Blick über den Tellerrand hinaus zu richten. Die Europäische Union war in letzter Zeit vor allem wegen der vielen Krisen in den Schlagzeilen. Sei es die Ukrainekrise, die Eurokrise oder die Flüchtlingskrise. Die EU scheint immer stärker durch negative Ereignisse getrieben zu sein, anstatt selbst Themen und Schwerpunkte setzen zu können. Sie erweckt bei vielen den Eindruck von einer gewissen Handlungsunfähigkeit. Wir erleben, dass durch die letzten Anschläge und durch den Flüchtlingsstrom Errungenschaften wie z.B. das Schengenabkommen oder die Europäische Union insgesamt in Gefahr geraten. All das trägt dazu bei, dass Menschen verstärkt nicht mehr die Chancen sehen, welche ein geeintes Europa bietet. Der Rückhalt scheint zu schwinden. Wir möchten mit unserer Vortragsreihe den Bürgerinnen und Bürgern Europa ein Stück näher bringen. Dabei gilt es zwar auch, die negativen Folgen und das, was schief läuft, klar zu benennen. Aber die großen Errungenschaften und die Chancen, die Europa bietet, sollen ebenfalls thematisiert werden. Denn eines, denke ich, sollte gewiss sein: Europa bedeutet Zukunft. Da halte ich es mit Konrad Adenauer: ‚Die Einheit Europas war ein Traum von wenigen. Sie wurde Hoffnung für viele. Sie ist heute eine Notwendigkeit für uns alle‘.“

Geplant sind bisher vier Vorträge im Jahresverlauf. Den Anfang macht Dr. Hendrik Schott, Präsident der Vereinigung Europäischer Journalisten e.V. zu dem Thema „Die journalistische Perspektive – Arbeiten und Pressefreiheit in Europa“. Dabei wird er den Blick darauf richten, wie die Arbeit von Journalisten in Europa funktioniert, wo es Schwierigkeiten gibt, was verbessert werden sollte und wie es mit der Pressefreiheit bestellt ist. Diese Veranstaltung findet am 3. Juni 2016 um 19 Uhr in der Aula des Regino-Gymnasiums in Prüm statt. Den musikalischen Rahmen gestalten Schülerinnen und Schüler der Schule. Der Eintritt ist frei.

Weitere Redner und Themen sind Prof. Dr. Alexander Proelß von der Universität Trier zum Thema „Europäisches Recht – Einfluss, Auswirkungen und Perspektive“, Norbert Röttgen zur Zukunft der EU mit dem Titel „Euro – Ukraine – Flüchtlinge. Europa in der Krise?“ und Jürgen Fitschen, Co-Vorsitzender der Deutschen Bank zum Themenschwerpunkt Euro und die Niedrigzinspolitik der EZB. Darüber hinaus sind weitere Vorträge möglich.

Die Termine werden zeitnah über die Medien, Plakate, die Schulhomepage und Facebook kommuniziert. Der Verein der Ehemaligen und Freunde des Regino-Gymnasiums Prüm freut sich auf viele spannende Vorträge mit hoffentlich vielen interessierten Besuchern. Alle Bürgerinnen und Bürger sind herzlich eingeladen.


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