23.03.2019 :: Fachschaften / Geschichte / Erinnerung an Regino - Prof. Dr. Hartmann zu Gast am 18.09.2015 / 
Law and Order für gestresste Bischöfe - Vortrag von Prof. Dr. Wilfried Hartmann über Regino von Prüm, am 18.09.2015 im Fürstensaal, anlässlich des 1100. Todesjahres

Es war eine wohltuende Demonstration der guten Zusammenarbeit zwischen der Stadt Prüm, dem Geschichtsverein Prümer Land und dem Regino-Gymnasium. Diesen drei wichtigen Säulen des Prümer Kulturlebens war es gleichermaßen ein Anliegen, des 1100. Todesjahres des mittelalterlichen Universalgelehrten zu gedenken, der durch seine umfangreichen schriftlichen Hinterlassenschaften zur bedeutenden Stellung der Stadt und des Klosters Prüm im Mittelalter und für die Geschichtsforschung bis heute beigetragen hat. So begrüßten StD Stephan Welker, stellvertretender Schulleiter des Regino-Gymnasiums, Volker Blindert, 1. Vorsitzender des Geschichtsvereins und Stadtbürgermeisterin Mathilde Weinandy erfreut den Dozenten des Abends, Prof. Dr. Wilfried Hartmann von der Universität Tübingen.

Hartmann präsentierte einen umfänglich angelegten Vortrag, der sich an den vier großen Schriften Reginos orientierte: dem Prümer Urbar, dem Musiktraktat, dem Sendhandbuch und der Weltchronik. Aus allen Werken Reginos spricht ein ausgeprägter Sinn für Systematik, ein starkes Bedürfnis nach Ordnung und die befriedigende Gewissheit, der Nachwelt etwas Bleibendes hinterlassen zu haben. Dies zeigt sich beispielsweise auch im Sendhandbuch des Regino von Prüm aus dem Jahre 906, welches Hartmann aus dem Lateinischen übersetzt und im Jahre 2004 in einer kommentierten Ausgabe veröffentlicht hat. Man könnte salopp formulieren, dass Regino seinerzeit eine pastorale Marktlücke erkannte und ein leicht tragbares Handbuch für gestresste Bischöfe auf Visitationsreise zusammenstellte. Darin enthalten sind ein Katalog von Fragen und eine Liste von Sanktionen die – basierend auf analogen biblischen Situationen – individuell angepasst in Kraft gesetzt werden konnten. Zahlreiche noch erhaltene Abschriften dieses Buches aus den folgenden Jahrzehnten beweisen die große Popularität unter Klerikern und Leihen. Schließlich wurde es wichtige Grundlage für die Kirchenrechtssammlung des Bischofs Burchard von Worms am Anfang des 11. Jahrhunderts. Der späteste Beleg für eine Visitation die sich an Reginos Sendhandbuch orientierte, stammt gar aus dem 19. Jahrhundert.

Mit der gleichen wissenschaftlichen Akribie behandelte Hartmann die anderen Schriften, verlor dabei aber nie die Anbindung an die großen historischen Zusammenhänge des karolingischen Herrscherhauses aus dem Blick. Regino wusste Bescheid über diese Zusammenhänge - mehr noch - er war involviert und das machte ihm das Verfassen des für ihn gegenwartsnahen Teils seiner Weltchronik nicht gerade leicht. Die Distanz fehlte. Hartmann machte deutlich, dass man bei der Lektüre der Regino-Chronik besonders aufmerksam sein muss für Ereignisse oder Personen, die keine Erwähnung finden. So erhält Kaiser Lothar beispielsweise keinen Nachruf, im Gegensatz zu vielen anderen Karolingern: eine vielsagende Auslassung.

StD Welker eröffnete seine Begrüßung mit Reginos eigenen Worten: „Kein Mensch, der über Selbsterkenntnis verfügt, kann daran zweifeln, dass alle Menschen von Natur aus mit der Musik verbunden sind, und zwar unabhängig von Alter und Geschlecht.“ Er bezog sich dabei natürlich auf den allumfassenden Musikbegriff des Mittelalters im Allgemeinen und den Reginos im Speziellen. Aber die Musik wurde auch ganz konkret im Sinne Reginos Kategorie der musica artificialis: Luisa Sterges und Helena Mautsch (Trompete) sowie Stefan Lenz und Sven Töx (Posaune), allesamt Schülerinnen und Schüler des Regino-Gymnasiums, umrahmten instrumental das festlich-akademische Abendprogramm.

Abschließend sei noch einmal das Engagement von Prof. Hartmann herausgehoben, denn beim abendlichen Vortrag handelte es sich bereits um seinen 3. Termin an diesem Tag im Regino-Gymnasium: Am Vormittag hatte er bereits vor etwa 125 Schülerinnen und Schülern eine Vorlesung zu Regino gehalten und am Nachmittag ein Schnupper-Proseminar, an dem etwa 25 besonders interessierte Schülerinnen und Schüler teilgenommen hatten. Dank gilt dem Fachbereich Geschichte, namentlich Frau StR‘ Jessica Schmitz und Herrn OStR Gereon Esch, der die Initiative ergriffen hatte.

von Martin Leineweber, StD

Freitag, 18. September, 19.30 Uhr: Erinnerung an Regino von Prüm

Der  Geschichtsverein  Prümer  Land,  das  Regino-Gymnasium und  die  Stadt  Prüm  erinnern   mit   einer   gemeinsamen Veranstaltung  an  Regino  von  Prüm,  der  vor   1100   Jahren   starb.  Am   Freitag,  dem 18.  September   2015,   ist   daher   der   Historiker Prof. Dr. Wilfried Hartmann von der Universität Tübingen  um  19.30  Uhr  in  der  Aula  des  Prümer  Gymnasiums zu Gast und spricht zum Thema „Regino von  Prüm:  Abt,  Musikologe,  Kenner  des  Kirchenrechts  und Geschichtsschreiber“.

Nach einer  kurzen  Einführung  über  die   politischen Ereignisse  vor 1100 Jahren  soll  das  Wenige vorgetragen    werden,    was    über   die  Biographie  Reginos  bekannt  ist.  Vor  allem  sollen  aber die bedeutenden   Werke   vorgestellt   werden,   die ihn   zu   einem   bis   heute   berühmten   Mann machen: das Prümer Urbar, sein Musiktraktat,  in  dem  er  die  Musiktheorie seit der  Spätantike darstellt,  die  von   ihm    zusammengestellte  Sammlung  des  Kirchenrechts  und  schließlich  seine Weltchronik.

Herzliche Einladung an alle, der Eintritt ist frei und im Anschluss wird ein Sektempfang gegeben.