24.09.2018 :: Homepage / Regino aktuell / 

„Hier stehe ich und kann nicht anders!“ - Ökumenischer Gottesdienst des Regino-Gymnasiums zum 500-ten Jahrestag der Reformation

Von Udo Weis

In der bis auf den letzten Platz gefüllten Prümer Basilika feierte die ganze Schulgemeinschaft am Freitag, dem 27.10.2017,  das epochale und weltgeschichtlich so folgenreiche Ereignis vor 500 Jahren, das untrennbar mit dem Namen Martin Luther verbunden bleibt. Durch die Vielfalt, die von den Beiträgen der verschiedenen musikalischen Gruppen der Schule, von einer Kurzgeschichte aus dem heutigen Schulalltag über ein fiktives Interview mit Martin Luther bis hin zur Predigt von Pfarrer Ruhl reichten, gelang es dem Vorbereitungsteam, die Kernbotschaft der Reformation nicht nur historisch verständlich zu machen, sondern sie auch in die heutige Zeit hinein lebendig auszulegen.

„Was gibt es an der Reformation eigentlich zu feiern? Ist sie nicht eher eine Katastrophe für die damalige Kirche gewesen, weil sie zu einer bis heute andauernden Kirchenspaltung geführt hat?“
Von dieser Frage gingen Frau Faschin und Frau Mattes in ihrem kurzen Überblick über die Wirkungsgeschichte des Thesenanschlags am 31.10.1517 aus. Sie verdeutlichten, dass der damals gewaltsam ausgetragene Streit und die Spaltung sicher kein Grund zum Feiern sind. Aber sie betonten, dass die beiden Konfessionen in 500 Jahren einiges dazugelernt haben und heute respektvoll und tolerant miteinander umgehen. Einen wirklichen Grund zum Feiern sahen sie vor allem in dem Mut Martin Luthers, damals seine Meinung zu ändern und zu seiner neuen Überzeugung zu stehen, auch vor dem Kaiser und den Großen des Reiches auf dem Reichstag in Worms 1521. „Durch solchen Mut kann sich etwas in der Welt verändern.“
Dass ein solcher Mut, gegen den Strom zu schwimmen, auch heute im alltäglichen Leben gefragt ist, zeigte eine Schülergruppe, die in einem Anspiel die Kurzgeschichte „Merle“ von Andreas Steinhöfel vorführten: ein neuer Lehrer wird wegen seiner Gummistiefel von einer Schulklasse gemobbt. Merle, die sich anfänglich am Mobbing beteiligt, bringt dann den Mut auf, sich allein gegen die Klasse zu stellen und das Verhalten der Mitschüler zu verurteilen.

Die Gewissensentscheidung von Merle und auch von Martin Luther vor 500 Jahren stand dann auch im Mittelpunkt eines fiktiven Interviews, das eine Reporterin (Frau Debald) mit Martin Luther (Aaron Igelmund) führte. Der Reformator macht darin deutlich, dass er ein tiefgreifendes Erlebnis hatte, in dem Gott ihn aufforderte, die Missstände in der Kirche nicht weiter hinzunehmen, sondern gegen sie anzukämpfen und für die Wahrheit einzutreten. In dem Interview wird deutlich, dass der Glaube (für Martin Luther) das ist, woran der Mensch sein Herz hängt, worauf er völlig vertraut, was sein ganzes Verhalten prägt. Deshalb kann der Glaube nicht belanglos sein. Gleichzeitig darf der Glaube als persönliche Überzeugung niemals anderen aufgezwungen werden. Heute nach 500 Jahren sehen wir den „Glauben“ weiter als damals: auch der Glaube an sich selbst oder die begründete humanistische Haltung eines Atheisten kann dem Menschen Energie und Mut für Veränderungen geben.

Der Oberstufenchor interpretierte anschließend gemeinsam mit dem Grundkurs 13 Musik das „klassische“ Reformationslied: Ein feste Burg ist unser Gott.
In seiner umfassenden Predigt spannte dann Pfarrer Ruhl den Bogen von diesem Lied, das in seiner kämpferischen Sprache von den Konfessionsstreitigkeiten und -kriegen geprägt ist, hin zur heutigen Zeit, in der beide Konfessionen nicht mehr gegeneinander, sondern miteinander – ökumenisch – für die Sache Jesu in einer immer noch unfriedlichen Welt eintreten.
Die Beiträge der Schülerinnen und Schüler wurden zwischendurch und am Ende mit reichlichem Applaus belohnt.

Mitwirkende: die Concert Band und Schülerinnen und Schüler der Klasse 6, der Mittelstufenchor, der Oberstufenchor, der Grundkurs 13 Musik, der Grundkurs Katholische Religion und der Grundkurs Evangelische Religion. Es predigt der evangelische Pfarrer Clemens Ruhl.


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