19.01.2019 :: Fachschaften / Geschichte / OSTD Peter Pelz zum Volkstrauertag 2013 / 
"Weil die Toten schweigen, beginnt alles immer wieder von vorn."
OStD Peter Pelz spricht vor dem Prümer Denkmal für die Gefallenen der Weltkriege.

Rede von Herrn OSTD Peter Pelz anlässlich des Volkstrauertages am17.November 2013

 

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger

„Weil die Toten schweigen,

beginnt alles immer wieder von vorn. "

Der Volkstrauertag soll uns an diese Toten erinnern
und an ihr Leid, das sie uns nicht mehr erzählen können.

Denn es darf nicht alles immer wieder von vorne beginnen.

„Weil die Toten schweigen, beginnt alles immer wieder von vorn."

Im Besucherbuch einer Kriegsgräberstätte ist zu lesen:

„Es ist schön, in Frieden zu ruhen,
aber es ist besser, in Frieden zu leben."

Wir, die wir in Frieden leben, gedenken heute der Menschen,
die ihr Leben im Krieg verloren haben:

vor vielen Jahrzehnten, vor einigen Jahren oder erst gestern.

Denn irgendwo ist immer Krieg.

Kein Tag ohne Krieg weltweit seit 1945.

40 Millionen Opfer seit 1945....

irgendwo ist immer Krieg.

Und wir können ihn hören.

Er ist da, auch wir hier sind betroffen.

Das Fernsehen bringt uns täglich die Gewalt nach Hause,
dieses nicht enden wollende Töten in vielen Teilen der Welt.

Haben wir uns schon daran gewöhnt?

Kann es daran eine Gewöhnung geben?

„Der Krieg ist eine menschengemachte Katastrophe."

Der Krieg ist nicht leise, der Krieg ist laut:

Explosionen, Schreie des Schmerzes, Schreie der Angst, Schreie der Trauer.

Und Krieg sät Hass, Schreie nach Rache, nach Vergeltung.
Gewalt und Gegengewalt.

Jeder Krieg fordert Opfer und bringt Leiden. Immer wieder.

In beiden Weltkriegen zusammen gab es über 65 Millionen Tote und 56 Millionen Verwundete.

Sechs Millionen Menschen ließen in den Konzentrationslagern ihr Leben.

Juden, Kommunisten, Sinti und Roma, Behinderte, politische Gegner -
sie standen auf den Listen der Vernichtung.

Kriegsgegner und Deserteure wurden noch in den letzten Tagen der Naziherrschaft zu Hunderten an Bäumen und Laternen aufgehängt.

Und sie waren es nicht allein, denen die Weltkriege und politische Verbrecher Leid zugefügten.

Die Angehörigen der Toten und Verletzten,
die Mütter, Väter und Geschwister,
die Ehefrauen und Kinder.

Auch sie haben durch den Krieg verloren und gelitten.

So viele Mütter, die um ihre Kinder, so viele Großmütter,
die um ihre Enkelkinder weinten, so viele Gebete,
die alle dasselbe zum Himmel sandten:

„Nie wieder, nie wieder Krieg!"

So viele Tränen und Flüche der Verstümmelten,
der Erblindeten, der Ertaubten,
der Verkrüppelten und Entstellten.

Noch heute – fast 70 Jahre danach - werden 1,2 Millionen Soldaten des letzten Krieges vermisst:

1,2 Millionen Menschen, über deren Schicksal weder die Eltern noch die Geschwister, noch die Kinder jemals etwas erfahren haben.
Und wohl auch nie erfahren werden.

Auch dieser 1,2 Millionen Menschen und ihrer Angehörigen gedenken wir heute.

Wir gedenken ihrer auch aus der Verantwortung für die Zukunft.

Nach so viel Leid und harten Lehren hätten die Völker der Erde eigentlich ein für alle Mal begreifen müssen, dass der Krieg kein Mittel der Politik sein kann, kein Mittel der Politik sein darf.

„Nie wieder Krieg" haben sich damals auch viele geschworen.

Aber keineswegs alle.

Die Kette der Kriege mit Millionen Toten ist nicht abgerissen.

Ob in Korea, in Vietnam, in Kambodscha, in Algerien, im Kongo, in Ruanda, Angola, Somalia, Liberia, im Sudan, auf dem Balkan, in Tschetschenien, im Irak, in Afghanistan, in Ägypten und Syrien.

Mehr als 200 Kriege seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges!

Die Krisenherde sind viele und sie werden mehr
und täglich fordern sie neue Opfer.

Auch heute, in diesen Tagen und Wochen sind Menschen auf der Flucht, verlieren ihr Hab und Gut, ihre Heimat, ihr Leben.

Der Volkstrauertag will auch an diese Opfer erinnern.

Frieden, das ist nicht nur Abwesenheit von Krieg.

Frieden, das ist eine Tugend, eine Geisteshaltung,
Frieden: Das ist Güte, Vertrauen, Gerechtigkeit.

Mancher aber glaubt,
dass man den Frieden mit Waffengewalt erzwingen kann.

Wir haben erfahren müssen:
Auch mit edlen Ideen und guten Absichten kann man die Welt verwüsten.

Haben die Kriege im Irak und Afghanistan das Feuer des Terrorismus ausgetreten oder angefacht?

Die größte Leistung der deutschen Nachkriegsgeneration ist die Sicherung des Friedens.

68 Jahre Frieden: damit ist gelungen,
was keiner Vorgänger-Generation gelang.

Diese Generation schreibt sich nicht mit dem Blut ihrer Söhne in die Geschichtsbücher.

Und doch: Schon wieder werden alte Fragen neu gestellt.
Kann es Gründe geben, die Kriege rechtfertigen?

Kann die Welt einfach zusehen, wie unberechenbare Regime Langstreckenraketen und Atombomben entwickeln?

Ist es nicht manchmal besser, frühzeitig entschlossen zu handeln, um eine größere Katastrophe abzuwenden?

Ich weiß es nicht.

Denken wir an die Kinder in den Kriegen dieser Tage, die sich in Todesangst die Ohren zuhalten und vor Angst schreien,
so wie damals die Kinder in den Weltkriegen?

Es ist zum Verzweifeln.

Waren denn all die Opfer umsonst?

War die Fratze des Krieges, der Gewalt und ihrer Folgen nicht abschreckend genug?

Was macht es für einen Sinn, in jedem Jahr, an Tagen wie heute, an die Opfer von Krieg und Gewalt zu erinnern?

An die Grausamkeiten und das Leid,
das die Generationen vor uns erlebt haben?

Wenn dieses Leid auch heute wieder für so viele Alltag ist?

Immer mehr junge Deutsche wurden in den letzten Jahren als Soldaten im Ausland eingesetzt.

Viele verloren bereits ihr Leben.

Viele kehren traumatisiert von ihren Einsätzen zurück.

Schon wieder hören wir Berichte junger Menschen, die Krieg am eignen Leib in diesen Auslandseinsätzen erlebt haben:
als Soldaten, als zivile Helfer, UN-Beauftragte oder Berichterstatter.

Wieder hören wir die schrecklichen Schilderungen des Kriegsalltags aus dem Mund von Menschen, die unsere Kinder sein könnten.

Aus dem Mund von jungen Soldaten die alten Geschichten von Angst, Schmerz und Tod.

Es ist so:

Im Ringen um Macht und Vorteile bekriegen sich Menschen seit Anbeginn der Zeiten.

Arroganz, Hass, Intoleranz und Machtgelüste.
Der Krieg ist noch lange nicht besiegt.
Warum nur ist das so?

Die Mörder der Zwickauer Terrorzelle waren unter uns.
Ihre Opfer sind unser Versagen.

Der Mensch ist von Natur aus schlecht, meint Thomas Hobbes,
und plädiert für einen starken Staat, der alle in Schach hält.

Der Mensch ist von Natur aus gut -
das Böse hat sich erst im Verlauf der Menschheitsgeschichte herausgebildet - meint Jean-Jacques Rousseau,
und plädiert für Bildung und Erziehung,
um das verschüttete Gute wieder ans Licht zu bringen.

Wer immer Recht hat,
was immer die Wahrheit ist:

Die Realität ist brutal – aber in jedem Menschen gibt es eine tief angelegte Sehnsucht nach Frieden.

Eine Sehnsucht, die uns immer wieder Wege suchen lässt,

den Weg zur Überwindung von Hass, Zwietracht und Gewalt.

Wir wollen und wir können die Hoffnung auf eine friedvolle Zukunft nicht aufgeben.

Wir vertrauen auf die Botschaft des Neuen Testaments in der Offenbarung des Johannes:

„Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen,
und der Tod wird nicht mehr sein
noch Leid und Geschrei noch Schmerz wird mehr sein"

In diesem Sinne spreche ich nun die Totenehrung:

Wir gedenken aller Opfer von Krieg und Gewalt:

der Soldaten, die in den zwei Weltkriegen gefallen,
in Gefangenschaft gestorben oder seither vermisst werden,

der Männer, Frauen und Kinder aller Völker,
die durch Kriegshandlungen,
Terror oder politische Willkür
ihr Leben lassen mussten.

•Wir gedenken derer, die im Widerstand,

aufgrund ihrer Überzeugung, ihres Glaubens, ihres Mutes,
ihrer Hilfsbereitschaft Opfer der Gewaltherrschaft wurden,

Wir gedenken derer, die verfolgt und getötet wurden,
weil sie einem anderen Volk angehörten,
einem anderen Glauben anhingen,
einer anderen „Rasse" zugerechnet wurden
oder deren Leben wegen einer Krankheit oder Behinderung als „lebensunwert" abgeurteilt und ausgelöscht wurde.

• Wir gedenken der Männer, Frauen und Kinder,

die auf der Flucht oder bei der Vertreibung aus der Heimat
und im Zuge der Teilung Deutschlands und Europas ihr Leben verloren.

• Wir gedenken der Soldaten unserer Bundeswehr,
die im Rahmen friedenssichernder Einsätze ihr Leben verloren,und der ungezählten zivilen Helferdie Menschlichkeit praktiziert haben
und dabei der Unmenschlichkeit zum Opfer fielen.

• Wir trauern um die Opfer der Kriege und Bürgerkriege unserer Tage,
um die Opfer von Terror und politischer Verfolgung,
um die Opfer von Gewalt und Willkür.

• Wir trauern mit den Müttern und Vätern der Toten und mit allen,
die Leid tragen.

Unser Gedenken gilt ihnen.

Unsere Gedanken gelten der Versöhnung.

Unsere Verpflichtung gilt dem Frieden in der Welt.


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