19.01.2019 :: Fachschaften / Geschichte / Vortrag anlässlich des 300. Geburtstags Friedrichs des Großen durch Herrn OStD Peter Pelz / 

„Friedrich der Große – Der erste Diener des Staates?!“, als solchen bezeichnete sich der preußische König selbst und diese Frage war es auch, mit der Herr OStD Pelz seinen Vortrag anlässlich des 300. Geburtstags Friedrichs des Großen am 01.03.12 in der Aula eröffnete. Gleichzeitig verdeutlichte er seinen Zuhörern, den Geschichteleistungskursen sowie dem Sozialkundeleistungskurs der 12. Jahrgansstufe, einigen Schülern der 11. Jahrgangsstufe sowie interessierten Lehrerinnen und Lehrern, dass sie selbst am Ende des zweistündigen Vortrags keine endgültige und befriedigende Antwort auf die Frage bezüglich Friedrich II. treffen könnten.

            Friedrich II., so fuhr Herr Pelz fort, wurde am 24. Januar 1712 im Berliner Stadtschloss als ältester Sohn des preußischen Königs Friedrich Wilhelm I. und dessen Gattin Sophie Dorothea von Hannover geboren. Als Sohn des späteren Soldatenkönigs war für ihn eine strenge, militärisch-religiöse Erziehung vorgesehen. Er, der jedoch eher verschlossene, sensible Charakterzüge zeigte, geriet aufgrund seiner musischen Interessen - so legte er Beachtung auf das Flötenspiel und die Dichtkunst - in einen fortwährenden Konflikt mit seinem autoritären Vater. Dieser Konflikt gipfelte letztendlich, zudem auch brutale körperliche und seelische Züchtigungen durch Friedrich Wilhelm I. zum Alltag gehörten, in einem Fluchtversuch des Kronprinzen in der Nacht vom 4. auf den 5. August 1730 nach England. Nachdem dieser Fluchtversuch jedoch vereitelt worden war, wurde Friedrich II., den sein Vater zunächst wegen Verrats hinrichten wollte, zur Festungshaft im polnischen Küstrin verurteilt, während Hans Hermann von Katte, ein langjähriger Freund und Vertrauter Friedrichs, aber auch ein Mitwisser seines Fluchtplans, vor dessen Augen hingerichtet wurde. Dieses Ereignis war ein Schlüsselmoment im Leben des Kronprinzen, der nun zynische, menschenhassende und brutale Charakterzüge entwickelte.

Dennoch stellte sich eine vermeintliche Annäherung zwischen Vater und Sohn ein, die sich unter Anderem in der Heirat Friedrichs II. 1732 mit der von ihm ungeliebten, aber von seinem Vater auserwählten Elisabeth Christine von Braunschweig-Bevern äußerte. Im Übrigen blieb die Ehe kinderlos, was von verschiedenen Forschern darauf zurückgeführt wird, dass Friedrich sich wie sein Bruder Heinrich sexuell stärker zu Männern hingezogen fühlte. Auch eine Geschlechtskrankheit, die er sich kurz vor der Eheschließung bei einem Besuch am Hofe Augusts des Starken zugezogen habe, wird als Ursache angegeben.     

Am 31.05.1740 wurde Friedrich II. nach dem Tod seines Vaters preußischer König. Er erfüllte zunächst alle Erwartungen an einen aufgeklärten Monarchen mit zahlreichen populären Reformen. So ordnete er die Abschaffung der Folter an oder gab die Gründung einer französischen Zeitung für Politik und Literatur in Auftrag, wobei der nichtpolitische Teil keiner Zensur unterlag. Preußen war damit die erste absolute Monarchie Europas, in der eine zumindest eingeschränkte Pressefreiheit herrschte.

Nachdem im Oktober 1740 dann der habsburgische Kaiser Karl VI. überraschend früh gestorben war, wurden Begehrlichkeiten auf preußischer Seite geweckt, die im 1. Schlesischen Krieg Friedrichs II. gegen die habsburgische Thronfolgerin und Kaisertochter Maria Theresia mündeten, an dessen Ende 1742 der Separatfrieden von Breslau den Preußen die Annexion der österreichischen Provinz Schlesien sicherte. 1744 zog Friedrich II. erneut gegen Österreich, das zudem durch englische Truppen unterstützt wurde, in den 2. Schlesischen Krieg, der am 24.12.1745 durch den Frieden zu Dresden, der den schlesischen Besitz erneut bestätigte, beendet wurde.

Am 29.08.1756 begann Friedrich II. dann den 3.Schlesischen Krieg, auch der Siebenjährige genannt, bei dem Preußen der gewaltigen politisch-militärischen Allianz aus Österreich, Russland und Frankreich gegenüberstand. Zunächst erwiesen sich die preußischen Truppen in zahlreichen Schlachten als siegreich, doch mit zunehmender Kriegsdauer erweckte das Heer Friedrichs II. den Eindruck, seinen zahlreichen Kriegsgegnern nicht mehr standhalten zu können. Preußen – zumal seiner überaus schlechten finanziellen Lage – schien der militärischen Niederlage nahe zu sein, als der Tod der russischen Zarin Elisabeth das Reich Friedrich II. rettete. Denn ihr Nachfolger Peter III., ein flammender Verehrer Friedrichs, schloss einen Friedens- und Bündnisvertrag, der 1763 schlussendlich zum Sieg der Preußen über die Österreicher, der endgültigen Sicherung des schlesischen Besitzes durch Preußen sowie zur Etablierung Preußens als eine der fünf Großmächte Europas führte. Friedrich, der im Volk einerseits den Beinamen „der Große“ erhielt, wurde nun, durch die Strapazen des Krieges frühzeitig gealtert, auch der „Alte Fritz“ genannt.

Der preußische König, dessen Wesen mittlerweile von Verbitterung und einem ausgeprägten Zynismus geprägt war, widmete sich nun wieder innenpolitischen Reformen. So machte er sich der ersten Ausarbeitung des Rechts, insbesondere der Ausarbeitung des Landrechts, der Einführung der Kartoffel als Nahrungsmittel oder des Baus von hunderten von Schulen in Preußen verdient. Er schuf einen starken Beamtenstand, der angehalten war, jeden Bürger gleich zu behandeln, und machte sich somit zu einem Symbol der bürgerlichen Gleichberechtigung, auch wenn er sich selbst oftmals über das Gesetz stellte. Getreu dem Motto „Jeder soll nach seiner Façon selig werden“ trat er für religiöse Minderheiten, wie die Katholiken oder die Hugenotten ein (die antisemitische Politik seiner Vorgänger gegenüber den Juden führte er fort) und bemühte sich um eine Verbesserung der sozialen Verhältnisse, indem er die Leibeigenschaft zu mildern versuchte.

Friedrich II., der sich angesichts der ersten polnischen Teilung und des zum ersten Mal vollständig miteinander verbundenen preußischen Reiches nun „König von Preußen“ nennen durfte, verbrachte seine letzten Lebensjahre in schriftstellerisch-historisch-philosophischer Arbeit auf dem Schloss Sanssouci, das der König nach eigenen Skizzen in den Jahren 1745 bis 1747 hatte errichten lassen und das zeitweilig seinem philosophischem Freund Voltaire, von dem er sich mittlerweile losgesagt hatte, als Wohnsitz gedient hatte. Am 17.08.1786 starb Friedrich II. in Sanssouci. Er wurde, anders als von ihm angeordnet, in der Potsdamer Garnisonkirche beigesetzt.

            Nachdem Herr Pelz seinen Vortrag mit diesen Worten beendet hatte, sprach ein Schüler einer der Geschichteleistungskurse der 12. Jahrgangsstufe, Jonas Leibisch, abschließend seinen Dank im Namen aller Zuhörerinnen und Zuhörer an den Referenten für seinen „äußerst interessanten und kurzweiligen Vortrag“ aus. Auch Jaqueline Kinnen, ebenfalls Schülerin der 12. Jahrgangsstufe, hebt Herrn Pelz‘ „packende Vortragsweise“ hervor, die „den Vortrag - trotz seines zunächst vielleicht ein wenig trocken erscheinenden Themas - auch durch die besondere Auswahl an Zitaten immer lebendig gehalten hat“. So hat es Herr Pelz geschafft, den Schülern auf eine überaus informative aber auch unterhaltsame und spannende Weise den berühmtesten Herrscher aus dem Hause Hohenzollern näherzubringen, eine Person, die durch Widersprüche hinsichtlich des Charakters gekennzeichnet ist wie kaum eine andere. Dennoch: Am Ende des Vortrags über Friedrich den Großen, der für Menschenliebe und zugleich für Menschenhass, für Bescheidenheit und daneben für Ruhmsucht, für Aufgeklärtheit und gleichsam für absolute Herrschaft, für künstlerischen Feinsinn und gleichzeitig für militärische Brutalität steht, bleibt letztendlich die ungeklärte, wenn überhaupt individuell zu beantwortende Frage: „Friedrich der Große – Der erste Diener des Staates?!“

 

Thomas Simon, MSS 12


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