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Das Schicksal sowjetischer Kriegsgefangener 1941 bis 1945

Fachtagung Geschichte in der Gedenkstätte SS-Sonderlager/KZ Hinzert

 

 

Am Montag, den 17.Oktober 2011 besuchte der Leistungskurs Geschichte der Jahrgangsstufe 12 des Regino-Gymnasiums Prüm mit ihrer Lehrerin Maria Braus eine Fachtagung über das Schicksal sowjetischer Kriegsgefangener von 1941 bis 1945 in der Gedenkstätte des SS-Sonderlagers/KZ in Hinzert. Die interessanten wissenschaftlichen Vorträge vermittelten den Schülern und Schülerinnen neue Erkenntnisse über die grausamen Taten während des 2.Weltkrieges und was mit den sowjetischen Kriegsgefangenen zu dieser Zeit passierte.

 

„Trotz der schrecklichen Vergangenheit finde ich es gut, dass darüber gesprochen wird und auch die Opfer nicht in Vergessenheit geraten sind.“ Die Meinung von Ellena Milbert, Schülerin des Regino-Gymnasiums Prüm Jahrgangsstufe 12, teilen wohl alle, die an der Fachtagung über das Schicksal sowjetischer Kriegsgefangener während es 2.Weltkrieges teilgenommen haben. Der Leistungskurs Geschichte durfte dieser Fachtagung beiwohnen und ist von dem gesamten Programm begeistert.

Nach einer kurzen Begrüßung durch Herrn Dr. Dieter Schiffmann, Direktor der Landeszentrale für politische Bildung Rheinland-Pfalz,  wurde der erste Kurzvortrag von Frau Dr. Beate Welter über „Die Ermordung sowjetischer Kriegsgefangener im SS-Sonderlager/KZ Hinzert“ gehalten. An diesem Tag vor genau 70 Jahren wurden im SS-Sonderlager/KZ Hinzert 70 sowjetische Kriegsgefangene auf eine schreckliche Art und Weise umgebracht. Diese Männer sollten sich einer „Sonderbehandlung“ unterziehen und wurden unter dem Vorwand einer „medizinischen Untersuchung“ mit einer Spritze, gefüllt mit Zyankali, ermordet und im Wald vergraben. Von diesen 70 Opfern sind bislang nur 13 Namen bekannt, doch trotz dem ist keiner von ihnen in Vergessenheit geraten. Sie wurden vor der Gedenkstätte beerdigt.

Der nächste Programmpunkt des Tages war ein Vortrag über „Die sowjetischen Kriegsgefangenen und das Stalag XB Sandbostel: Verwaltung, Arbeitseinsatz, Massensterben“ von Herrn Dr. Jens Binner. Während des 2.Weltkrieges wurde das Stalag XB Sandbostel errichtet. Dorthin wurden aus speziellen „Russenlagern“, z.B. in Wietzendorf, sowjetische Kriegsgefangene überführt und festgehalten. Die Gefangenen litten unter Hunger, es gab kaum Lebensmittel, um alle zu versorgen. Die hygienischen Bedingungen waren ebenfalls katastrophal. Schnell brachen Seuchen aus, wie das „Fleckenfieber“. Allein im so genannten „Seuchenwinter“ vom Dezember’41 starben mehr als 1000 Häftlinge. Die Gesamtzahl der Toten in Sandbostel ist schwer einzuschätzen, es sind aber 4600 Namen bekannt. Doch es sind weit mehr Menschen dort durch Nahrungsmangel, Krankheiten, Arbeit oder einen Fluchtversuch gestorben.

Nach einer kurzen Kaffeepause hielt Frau Dr. Gabriele Hammermann eine Vorlesung über „Die Aussonderung sowjetischer Kriegsgefangener und ihr Schicksal in Konzentrationslagern am Beispiel Dachau“. Im Konzentrationslager Dachau kamen alle zwei Wochen etwa 70 Gefangene an. Dort, völlig erschöpft und oft schon halbtot, wurden die Menschen umgehend vom Hof des Lagergefängnisses zum Schießplatz, einem abgezäunten Areal, gebracht.

Sie mussten ihre Kleider ablegen, wurden festgekettet und vor den Augen der wartenden Kammeraden erschossen. Nach der Hinrichtung wurden die Toten verbrannt. In Dachau wurden 4300-4500 Häftlinge durch Hinrichtung ermordet. 2001 wurde ein Gedenkstein auf dem Gelände des ehemaligen KZ/Dachau errichtet. Im Jahre 2005 wurde ein Antrag zum Ausbau eines Teiles der Gedenkstätte zum Friedhof gestellt, der jetzt im Jahre 2011 erneut aufgenommen wurde.

Während der Mittagspause durfte sich der Leistungskurs Geschichte den Platz anschauen, an dem vor 70 Jahren die 70 sowjetischen Kriegsgefangenen im Wald vergraben wurden (s. o.).

Es wurde erklärt, dass es im Wald wohl noch viel mehr Tote vergraben wurden, die bis jetzt nicht gefunden wurden. So hat man versucht, die Tötungen zu vertuschen. Nach diesem bewegenden Erlebnis wurde die Tagung um 15:00 Uhr fortgesetzt.

Frau Dr. Ulrike Goeken-Haidl stellte den Bericht „Aus KZ, STALAG oder Zwangsarbeit ins staatlich institutionelle Misstrauen? Die Repatriierung von Sowjetbürgern nach dem Zweiten Weltkrieg“ vor. Die freigelassenen Gefangenen, die in ihre Heimat zurückwollten, wurden meist wie „Spitzel“ behandelt. Viele, die aus Deutschland in die Sowjetunion zurückkehrten, wurden wegen „Vaterlandsverrat“ verurteilt oder umgebracht. Nach Ankunft in der Heimat wurden die Repatrianten in Überprüfungs- und Filtrationslager geschickt. Sie galten nun als neue „Volksfeinde“; die Familien der „Verräter“ wurden ebenfalls gefangen genommen. Bis 1991 wurden Familienangehörige der Ex-Deutschland-Häftlinge über dieses Thema befragt und auch heute verschweigen noch viele aus Angst, dass sie im Zweiten Weltkrieg in Deutschland gefangen waren. Man erwartete, dass die Repatrianten in ihrer Heimat willkommen waren, doch ihr grausiges Schicksal wurde nur noch schlimmer.

Der Vortrag „Sowjetische Kriegsgefangene in deutscher Hand: Archivsituation und ausgewählte Forschungsergebnisse“ wurde nach einer letzten kurzen Kaffeepause von Herrn Lars Thiele gehalten. Die Stiftung Sächsischer Gedenkstätten bemüht sich darum, vielen Opfern des 2.Weltkrieges endlich einen Namen zu geben und für die Angehörigen Todesursache, -datum oder -ort herauszufinden. Jeden Monat kommen mehrere 100 Anfragen von Familienangehörigen aus der ehemaligen Sowjetunion, die endlich wissen wollen, wo ihr verstorbenes Familienmitglied begraben ist. Diese Stiftung versucht dann mit Hilfe der Karteikarten, die in den Konzentrationslagern, Stalags etc. geführt wurden, in mühsamer und meist zeitaufwendiger Arbeit die Toten zu suchen, zu identifizieren und den Angehörigen die Ergebnisse mitzuteilen. Es sind 20 Dokumententypen bekannt, die helfen, das Schicksal der vielen Toten aufzuklären.

Diese Stiftung trägt bedeutend viel dazu bei, dass den Toten endlich ein Gesicht gegeben werden kann.

 

„Ich denke, dass dies sehr gut gelungen ist und sich für mich neue interessante Blickwinkel eröffnet haben“, sagt Jonas Leibisch, ein weiterer Schüler des Regino-Gymnasiums Prüm Jahrgangsstufe 12, über die Fachtagung in Hinzert. Die anschaulichen Beiträge der Historiker waren für die Leistungskursschüler sehr ansprechend, denn „man hat viel über die Zustände gelernt, die zwischen den Jahren 1941 und 1945 herrschten.“, wie Christian Heß, ein Mitschüler von Jonas Leibisch und Ellena Milbert, findet. All die Informationen, die durch diese Tagung eröffnet wurden, haben die Schüler und Schülerinnen dankend angenommen. Es ist wichtig, dass kein Opfer vergessen wird, dass man weiß, was mit den sowjetischen Kriegsgefangenen passiert ist und man neue Einblicke in die Geschichte bekommt. Diese Fachtagung Geschichte in der Gedenkstätte des ehemaligen SS-Sonderlagers/KZ Hinzert war informativ, interessant und bewegend. „Ich denke diese Fachtagung war für jeden von uns eine interessante Erfahrung, denn der 2. Weltkrieg gehört leider einfach zu unserer Geschichte und sich darüber zu informieren, vor allen auch über Themen, die nicht unbedingt im Lehrplan vorgeschrieben sind, empfinde ich als lehrreich.“, sagt Ellena Milbert abschließend. Die Schüler und Schülerinnen des Regino-Gymnasiums Prüm sowie ihre Lehrerin Maria Braus würden zu jeder Zeit erneut an einer solchen Fachtagung teilnehmen.

 

 

Kristina Zekonja, Schülerin des Regino-Gymnasiums Prüm Jahrgangsstufe 12

 


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