21.08.2019 :: Verein der Ehemaligen / Archiv des VDE / 2011 / 

Wissenschaft aktuell

Reagieren rote Waldameisen auf Erdbeben?

Am 20.05.2011 startete die neue Veranstaltungsreihe „Wissenschaft aktuell“ des Vereins der Ehemaligen und Freunde des Regino-Gymnasiums Prüm. Die Geologin Dr. Gabriele Berberich (Universität Duisburg-Essen) referierte über das Thema: „Reagieren rote Waldameisen auf Erdbeben?“

In diesem Vortrag stellte Dr. Berberich Ihre umfangreichen Forschungsergebnisse vor, die sie vor allem in Feldversuchen in der Ost- und Westeifel erarbeitet hat. Zunächst gab sie einen kurzen Abriss über die Entwicklungsgeschichte der Insekten und Ameisen, die sich trotz mehrfachem Massenaussterben seit Millionen von Jahren auf der Erde behaupten und viele ökologische Nischen besetzt haben.

Anschließend erläuterte Frau Dr. Berberich Ihr Projekt in der Eifel: Immer wieder wird von ungewöhnlichem Verhalten von Tieren im Vorfeld von Erdbeben berichtet. So flohen beispielsweise die Elefanten beim Erdbeben in Sumatra 2004 in höher gelegene Regionen und entkamen dem tödlichen Tsunami. Das Verhalten von Fluchttieren lässt sich aber wissenschaftlich nicht genau auswerten. Anders verhält es sich mit den roten Waldameisen. Sie bauen ihre Nester auf tektonischen aktiven Störungszonen, die sehr tief in die Erdkruste reichen und Aufstiegswege für geogene Gase, wie z.B. Kohlendioxid, bieten. Ameisen können unterirdische Kohlendioxidgradienten wahrnehmen. Auch spielt das Kohlendioxid bei ihrem Stoffwechsel und während der Metamorphosestadien eine wichtige Rolle. Weiterhin können die roten Waldameisen elektromagnetische Felder wahrnehmen. Die Änderung der Gaszusammensetzung und die der elektromagnetischen Felder werden als Vorläuferphänomene für Erdbeben diskutiert. Durch ihre Ortstreue und ihre potentiell unsterbliche Population sind die roten Waldameisen daher ideale Kandidaten, um ihre Reaktion im Vorfeld von Erdbeben zu erforschen.

Zu diesem Zweck betreibt Dr. Berberich mehrere Tageslicht- und Infarotkameras, mit denen Ameisennester rund um die Uhr beobachtet werden. Die Auswertung der Ameisenaktivität auf den Nestern ergaben, dass Ameisen unter normalen Umständen einen festgelegten Tagesrhythmus einhalten, der morgens um ca. 07.30 Uhr beginnt, bis ca. 11.00 Uhr ansteigt und über die Mittagsstunden auf hohem Niveau bleibt. Nachts ziehen sich die Ameisen dann wieder in ihr Nest zurück. Am 10.09.2009 änderte sich dieser Tagesrhythmus entscheidend. Auslöser war ein Erdbeben der Stärke 3,2 in ca. 30 km Entfernung zum beobachteten Nest. In der Nacht bevor sich das Erdbeben ereignete, zogen sich die Ameisen nicht in ihr Nest zurück und zeigten eine ganztägige Aktivitätskurve auf mittlerem Niveau. Auch bei einem weiteren stärkeren Erdbeben im folgenden Jahr konnte das gleiche Verhalten beobachtet werden. Aus dieser Reaktion wird ersichtlich, dass Ameisen anscheinend in der Lage sind, auf tektonische Spannungsänderungen in der Erdkruste, die im Vorfeld eines Erdbebens auftreten, zu reagieren.

Die anschließende Diskussionsrunde zeigte, dass die anwesende Schüler aus den Jahrgangsstufen 7 und 12 gut auf den Vortrag vorbereitet waren und dem wissenschaftlichen Ausführungen ohne weiteres folgen konnten.

Interessierte Schülerinnen und Schüler forderte Frau Dr. Berberich auf, Information bzw. Beobachtungen an Fachbereich Geologie der Universität Duisburg-Essen zu übersenden oder auch aktiv, z.B. im Rahmen eines freiwilligen ökologischen Jahres, an der Forschungsarbeit teilzunehmen.

(Email-Kontakt: gabriele.berberich@uni-due.de)

Der Dank geht an Frau Dr. Gabriele Berberich für den hoch interessanten und für Schülerinnen und Schüler verständlichen wissenschaftlichen Vortrag.

 

 

 

Einblicke – Menschen mit Geschichte und Geschichten

 

Franz Mohr, New York

                                         14. April 2011, 19.00 Uhr

Vortrag und Talk in der Aula des Regino–Gymnasiums

 Eine Veranstaltung des Kulturamtes des Eifelkreises in Zusammenarbeit mit dem Verein der Ehemaligen und Freunde des Regino-Gymnasiums Prüm.

 

Franz Mohr war über Jahrzehnte in seiner Funktion als Chef-Konzerttechniker des renommierten Flügelbauers Steinway und Sons in New York ein enger Freund und Vertrauter der großen Pianisten unseres Jahrhunderts.

Vladimir Horowitz, Artur Rubinstein und Glenn Gould spielten nirgendwo auf der Welt ohne seine Gegenwart. Seine Kunst der Konzertvorbereitung, einen Flügel genau auf die Wünsche des jeweiligen Künstlers auszurichten, war weltweit einmalig.

Mit faszinierenden, humorvollen und begeisternden Geschichten über seine Erfahrungen im Umgang mit diesen Musik-Genies begeistert Franz Mohr seine Zuhörer auf der ganzen Welt, so auch im ausverkauften Fürstensaal  des Regino-Gymnasiums.

Der nunmehr 83 jährige gebürtige Rheinländer verzauberte das Publikum mit seinen manchmal heiteren, manchmal nachdenklichen Anekdoten, erzählte über die Macken und Seltsamkeiten der Stars am Klavier und wie er damit umzugehen pflegte. 

 Der rundum gelungene Abend wurde musikalisch von Wolfgang Klesius am Steinway umrahmt und von Herbert Fandel moderiert.

 

Klassische Musik von Billy Joel am Regino-Gymnasium

Zu einem besonderen Konzertereignis hatte der Verein der Ehemaligen und Freunde des Regino-Gymnasiums am 20.10.2011 eingeladen. Und die rund 80 Zuhörer, die dieser Einladung in den Fürstensaal des Gymnasiums gefolgt waren, wurden nicht enttäuscht. Der Bitburger Pianist Wolfgang Klesius hatte für sein aktuelles Solo-Programm einen musikalischen Schatz ausgegraben: Klassische Klavierwerke von Billy Joel. „Geht das überhaupt?“, hatte Martin Fleck als Vorsitzender des veranstaltenden Vereins in seiner Einführung gefragt. Klassische Musik von einem Rock- und Pop-Interpreten. Und ob!  Relativ unbemerkt vom allgemeinen Musikbetrieb und neben seiner Karriere als Rock- und Pop-Star hat Billy Joel, dessen Vorfahren aus Deutschland stammen, Klaviermusik geschaffen, die motivisch einen Bogen von Bach über Händel zu Schuman, Chopin und Liszt spannt.  Diese unter dem Titel „Fantasies & Delusions“ zusammengefassten Kompositionen hatte Wolfgang Klesius für das Konzert sorgsam zusammengestellt und mit spielerischer Leichtigkeit vorgetragen. So konnte man beispielsweise im Opus 3 (Reverie) die musikalisch dargestellten Wasserspiele der berühmten Villa D´Este in Tivoli bei Rom förmlich plätschern hören. Klesius wechselte gekonnt die musikalischen Stimmungen und bezauberte durch seine Virtuosität das Publikum immer wieder aufs Neue. Das feierliche Ambiente in der barocken Aula des Gymnasiums und die erklärenden Texte, durch die Abiturientin Olivia Linden angemessen vorgetragen, verliehen dem hervorragenden Konzerterlebnis einen würdigen Rahmen.

Antiker Mythos am Regino-Gymnasium

Marilyn Monroe, Boris Becker, der erste Mann auf dem Mond … Beinahe alles werde heutzutage als Mythos bezeichnet, behauptete Dr. Phil Udo Reinhardt und warb bei seinen Zuhörern dafür, sich mit dieser Verallgemeinerung des Begriffes nicht zufrieden zu geben.  

Im Rahmen der Reihe „Kapitelsaalgespräche“ war es dem Verein der Ehemaligen und Freunde des Regino-Gymnasiums am 07. November 2011 gelungen, den bekannten Mainzer Wissenschaftler für zwei Vorträge zu gewinnen.

Bereits am Nachmittag hatte Dr. Reinhardt im Rahmen des Unterrichts mit den Schülerinnen und Schülern der Leistungskurse Latein der Jahrgangsstufen 11-13  mythologische Geschichten aus Ovids Metamorphosen besprochen und erklärt. Im Abendvortrag  präsentierte der renommierte Kenner antiker Mythologie unter dem Titel „Der antike Mythos – Eine Einführung in Wort und Bild“ beispielhaft zentrale Ergebnisse seines neuen Buches, in welchem er systematisch die Entwicklung vom frühgriechischen Mythos bis in die heutige Sagen- und Märchenwelt darstellt.

Und er machte deutlich, dass sich hinter dem Begriff Mythos viel mehr verbirgt als gedacht. Gerade die antiken frühgriechischen Mythen seien heute wieder aktueller denn je.  Aufgrund der großen Zahl an Zuhörern war man kurzerhand aus dem Kapitelsaal in den Musiksaal des Gymnasiums umgezogen. Mythologische Darstellungen aus der Bildenden Kunst, die Dr. Reinhardt aus seiner 35.000 Dias umfassenden Sammlung mitgebracht hatte, rundeten die gelungenen Vorträge ab.


Werden Sie Mitglied und unterstützen Sie unsere Arbeit