19.01.2019 :: Fachschaften / Musik / The King's Singers / The King's Singers: Workshop / 

The King's Singers: Workshop

Mag sein, dass das Vorurteil der Egozentrik, der Überheblichkeit und der Publikumsscheue bei vielen Stars von Welt auch zum Teil seine Berechtigung hat. Im Falle der King’s Singers bleibt es jedoch ein Vorurteil. Denn nichts dergleichen ist auch nur ansatzweise zu spüren, wenn die sechs dynamischen, auf allen Bühnen der Welt heimischen Briten mit großem Einfühlungsvermögen und uneingeschränkter Hingabe mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern des A-cappella-Workshops arbeiten.

Äußerst unterschiedlich ist die Zusammensetzung der angereisten Vokalgruppen: die Gruppe Huh-Bap, der man sofort ein Defizit an Konzert-Routine attestiert; die Singing Sisters, denen die Frage im Gesicht geschrieben steht „Sind wir hier eigentlich richtig?“ - goldrichtig, wie sich schnell herausstellen soll; das Vokalensemble des Humboldt-Gymnasiums Trier mit seinen wunderschönen individuellen Stimmen, die zusammenfinden müssen; und der Oberstufenchor des Regino-Gymnasiums, der seine dynamischen Möglichkeiten noch ausschöpfen muss.

The King's Singers und der Oberstufenchor des Regino-Gymnasiums

Und alle haben verschiedene Musikstücke im Gepäck: ein Renaissance-Madrigal oder einen romantischen Chorsatz, ein Pop-Arrangement oder eine zeitgenössische Choralmotette. Alles wissen die King’s Singers in Sekundenschnelle zu erfassen und auf Bereiche hin abzutasten, die es zu verbessern gilt. Und dann geht’s Schlag auf Schlag. Paul sagt: „You have to look more confident on stage“. Philipp fragt: “Do you know at all what the song is about?” David insistiert: “Don’t look at each other when you start, just listen and feel.” Christopher bemerkt: “Don’t hum the notes, because as soon as you hum them, they are wrong.” Jonathan empfiehlt: “Don’t sing Opera with a Popsong!” Timothy schlägt vor: “Draw a picture with your voice.”

Humor und Charme sorgen dafür, dass die anfängliche Nervosität in schiere Begeisterung umschlägt. Erstaunlich, wie die Experten mittels weniger Kniffe das Klangbild des Ensembles verändern

Christopher, Philip und Timothy mit dem Vokalensemble des Humboldt-Gymnasiums
Jonathan mit Huh-Bap
Paul arbeitet intensiv mit Swinging Sisters

„The trick with fast choral pieces is that you sing legato”, wirft Philipp mal eben ein, nachdem sich der Oberstufenchor zu sehr an den Einzelsilben des “Quick, we have but a second” von C.V. Stanford festgesungen hatte. Das Resultat ist verblüffend. „Has anybody in the choir not fallen in love so far?“ erkundigt sich Paul rhetorisch, um sicher zu gehen, dass jeder weiß, was mit “Can’t help falling in love with you” gemeint ist. Mimisch verdeutlicht er seine Kritik und klimpert mit den Augenlidern. Der Chor bricht in schallendes Gelächter aus.

Die Zeit vergeht im Flug. Nach Kaffeepause, Fotoshooting, Plausch und Signierstunde rufen die King’s Singers zum internen Abschlusskonzert auf. „One piece each group“, stellt David klar.

Abschlusskonzert im Fürstensaal

Schon nach vier Stunden gezielter Arbeit an Klang, Interpretation und Bühnenpräsens ist deutlich ein qualitativer Sprung bei den Ensembles hörbar.

Die Zeit drängt, denn die Maschine nach Friedrichshafen will erreicht sein. Alles geht viel zu schnell. Man schafft es gerade noch, sich gegenseitig zu versichern, dass man unvergessliche Stunden gemeinsam erlebt hat. Und da ist es wieder, das unprätentiöse der King’s Singers: „Yes, we’ll come again to Prüm“.


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