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Das Gymnasium 1938

Nach der Übernahme der Macht durch Adolf Hitler im Januar 1933 hatten die Nationalsozialisten bald mit der sogenannten "Gleichschaltung" der Gesellschaft begonnen. Von den großen Verbänden und Institutionen bis hin zum Kleingärtnerverein wurden alle Organisationen auf die Richtung der Partei eingeschworen. Da sich die nationalsozialistische Bewegung besonders auch der Jugend annehmen wollte, gerieten die Schulen bald ins Blickfeld der Partei. Einige Notizen aus der Anfangszeit des "Dritten Reiches" sind von Gerhard Nebel überliefert. Er, Mitbegründer der Sozialistischen Arbeiterpartei (SAP), war im Frühjahr 1933 von Köln an das Prümer Gymnasium versetzt worden und blieb hier bis zum August dieses Jahres. Nebel berichtet von einer Konferenz im Mai, in der der Schulleiter pflichtgemäß "auf die große Persönlichkeit Adolf Hitlers als des Volkskanzlers und Führers im neuen Reich und auf seinen siegreichen Kampf für die Befreiung und nationale Einigung Deutschlands" hinzuweisen und das Lehrerkollegium per Unterschrift die "nationale Erhebung" unbedingt zu bejahen hatte. Mitte des Monats mussten auf Initiative der Partei zwei Lehrer die Schule verlassen und im Juli hatten die Lehrer Erklärungen über ihre arische Abstammung abzugeben. Nebel spricht zwar von einigen Mitläufern im Kollegium, allerdings nur von einem begeisterten Nationalsozialisten, der, vorher wenig beachtet, nun die Gunst der Stunde nutzend, zur "Zentralsonne des Prümer Systems" aufgestiegen sei. Ausdrücklich erwähnt der Kommunist Nebel einige überzeugte Katholiken des Kollegiums und das Bischöfliche Konvikt als "Insel der Vernunft und Menschlichkeit" in dieser dunklen Zeit. Noch im Mai 1933 kam es – organisiert von der Hitlerjugend – auch in Prüm zu einer "Bücherverbrennung". Hierzu durchsuchte man die Schulbibliothek nach "marxistischem, pazifistischem und jüdischem Schrifttum", um mit diesem den "undeutschen Geist" aus der Lehranstalt zu verbannen. Angeblich resultierte aus dem Sucheifer der Aktivisten allerdings nicht allzu viel Brennstoff: Es wird nur von einem kleinen Feuer berichtet, dass durch die Beigabe von Zeitungen am Leben gehalten werden musste. Im September 1934 wurde das Kollegium auf Adolf Hitler vereidigt – für einige Kollegen mittlerweile die dritte Vereidigung: vor 1918 auf "Seine Königliche Majestät von Preußen", dann auf die "Preußische Verfassung" und nun auf den "Führer".

Im Rahmen der Vereinnahmung der Jugend durch den Staat hatten sich alle Fächer an den Schulen die Frage zu stellen: "Was hat das Fach für den heutigen Staat zu bieten, wo muss der Hebel angesetzt werden, um die Jugend für den völkischen Staat zu erziehen?" Dass in den neuen Richtlinien Begriffe wie Rassenkunde, Höherentwicklung des deutschen Volkstums, usw. die Hauptrolle spielten, wird nicht verwundern. Inwieweit die einzelnen Lehrer diesem neuen (Un)Geist folgten, war sicherlich stark unterschiedlich. Immer wieder protokollierte Beschwerden der Kreisleitung der Partei oder der Gestapo über das ganz 'schwarze Lehrerkollegium' des Gymnasiums und die national sehr unzuverlässigen Lehrer - die Schule atme noch den Zentrumsgeist - lassen darauf schließen, dass sich an dem tatsächlichen Unterricht oftmals kaum etwas geändert hatte und die Schule über weite Strecken dem Totalitätsanspruch der Nazis in puncto Erziehung der Jugend entgehen konnte.

Allerdings hatte sich das Schulleben insofern grundlegend gewandelt, als der Unterricht ständig durch Kundgebungen, Aufmärsche, nationale Feiern, Lageraufenthalte, Sammelaktionen usw. beeinträchtigt wurde. Zudem hatte der "Staatsjugenddienst" in der Hitlerjugend oftmals Vorrang vor Schulveranstaltungen und auch das Schulgebäude selbst wurde von verschiedenen Parteiorganisationen in Anspruch genommen – so hatte beispielsweise die SA im Dachgeschoss ihre "Sturmkammer" oder es wurden 1937 im Zusammenhang mit dem Bau des Westwalls einige Büros in der Schule eingerichtet.
Mit der Reform des höheren Schulwesens im Jahr 1937 wurde das Prümer Gymnasium zur "Deutschen Oberschule" umstrukturiert – Englisch verdrängte hier als "germanische Sprache" das Latein als erste Fremdsprache.
Schon seit längerem war der nationalsozialistischen Partei das Konvikt ein Dorn im Auge gewesen. Mit einer "nationalsozialistischen Heimstätte" in Prüm unter Leitung des NS-Lehrerbundes versuchte man zunächst eine Art Gegenkonzept zu etablieren und bewirkte 1940 die Schließung des Konvikts.
Mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges verschärften sich nach und nach die Zustände an der Schule. Viele Lehrer wurden einberufen, so dass der Unterricht ausfallen musste, oder die Schule wurde aufgrund von mangelndem Heizmaterial ganz geschlossen. Dennoch wuchs die Schülerzahl zunächst stark an, da viele Flüchtlinge aus den Großstädten aufs Land flohen. Oftmals wurden die Schüler zu Ernteeinsätzen und Sammlungsaktionen abgezogen. Zwischen September 1943 und Juni 1944 zog man dann zahlreiche Schüler im Alter von 15 bis 18 Jahren zum Dienst an der Flak ein. Sie kamen in Trier, Frankfurt, Hagedingen und Kreutlingen bei Diedenhofen zum Einsatz. Im August 1944 wurden schließlich alle verbliebenen Lehrer und Schüler über 15 Jahre zum Schanzdienst an die Obermosel abberufen und die Schule ganz geschlossen. Sie diente noch als Unterkunft für versprengte Soldaten.
Auch für Prüm selbst wurden die Luftschutzalarme nun zum Ernstfall. Am 16. September schlugen die ersten Granaten in Prüm ein, einen Tag später wurde die Stadt Zwangsevakuiert. Infolge der Luftangriffen vom 23. Dezember brannte das Abteigebäude in den folgenden Tagen bis auf die Grundmauern aus. Nachdem Prüm im Februar 1945 von den Amerikanern erobert werden konnte, war die Stadt zu 80 % zerstört.

(Quellen: [1] Dieser Beitrag bildet im Wesentlichen eine Kurzfassung der ausführlichen Darstellung der Schulgeschichte durch Franz Josef Faas, erschienen in: Franz Josef Faas, Regino-Gymnasium Prüm. 450 Jahre Schulgeschichte, Trier 1989. Ergänzende Informationen stammen aus: Festschrift zur 75jährigen Jubelfeier des Staatlichen Gymnasiums Prüm, 1927. Die Fotos stellte uns freundlicherweise Herr Theo Hafner aus seiner Privatsammlung zur Verfügung. Die neuere Schulgeschichte wird im Beitrag von Herrn Johannes Horn zusammengefasst.)