21.03.2019 :: Homepage / Schulgeschichte / Gymnasium ab 1892 / 

Das Prümer Gymnasium ab 1892

Das Prümer Gymnasium startete 1892 mit 207 Schülern. In den nächsten 30 Jahren steigerten sich die Schülerzahlen nur unwesentlich und schwankten immer um die 250 Schüler. Interessanterweise stammten die meisten Abiturienten, die hier in den folgenden Jahren ihre Reifeprüfung ablegten, nicht aus Prüm oder dem Prümer Raum. Bis zum Ende des Ersten Weltkrieges, also zugleich dem Ende des "Königlichen Gymnasiums" in Prüm, waren von etwa 30 Abiturienten höchstens drei aus dem Kreis Prüm. Die Schüler stammten unter anderem aus Ottweiler, Malmedy, Düsseldorf, Adenau, Losheim oder Münstermaifeld.
Etwas abenteuerlich gestaltete sich die räumliche Situation an der Schule: Bis 1895 beherbergte das Gebäude neben dem Lehrerseminar noch im Klostersaal die evangelische Kirchengemeinde und auch das Prümer Friedensgericht, das sich seit 1877 "königlich-preußisches Amtsgericht" nannte, hatte seine Räumlichkeiten im selben Gebäude. So gab es immer wieder Schwierigkeiten aufgrund des Platzmangels, unter dem besonders auch der Turnunterricht zu leiden hatte. 1885 wurde daher für diese Zwecke ein Barackenbau in der Nordwestecke des Abteigebäudes auf den Grundmauern des unvollendet gebliebenen Abteibaus errichtet. Dieser Bau wurde ebenfalls für Feierstunden genutzt, so etwa für die Begehung staatlicher Festtage wie des Geburtstages des Kaisers, der Kaiserin, des Kronprinzen oder des Tages von Sedan.
1908 ging das Prümer Gymnasium samt dem Abteigebäude schließlich in staatlichen Besitz über und wandelte sich somit von der Stadtschule zur "Königlichen Anstalt". Die Stadt behielt als Eigentum ihre alten Volksschulbänke, die Büste Napoleons und die beiden städtischen Fahnen. Die Verstaatlichung war jahrelang erklärtes Ziel gewesen, um Ausstattung und Finanzlage der Schule zu verbessern. Besonders der Um- und Ausbau der Schule war ein großes Anliegen gewesen, das nun in Angriff genommen werden konnte. Von 1908 bis 1912 liefen die Bauarbeiten unter Leitung des Regierungsbaumeisters Eggeling. Nun konnte endlich die seit 1768 klaffende Lücke – die Nordwestecke des Abteigebäudes – geschlossen werden. Diesem Bau musste die provisorische Turnhalle weichen. Eine neue Halle entstand auf dem Schulhof, neben dem zur gleichen Zeit dort errichteten Gefängnis.
1911 hatte Kaiser Wilhelm II. Prüm einen Besuch abgestattet. Vor dem Nordportal der Schule wurde der Kaiser, der im offenen Wagen vorfuhr, unter einem eigens errichteten 'Triumphbogen' empfangen. Aufgrund des Andranges konnten wohl nur wenige einen Blick auf den Kaiser erhaschen, so dass von diesem Ereignis angeblich vor allem die Ohrfeigen, die während der langen Wartezeit den unruhigen Schülern verabreicht wurden, den Anwesenden in Erinnerung geblieben sein sollen...

(Quellen: [1] Dieser Beitrag bildet im Wesentlichen eine Kurzfassung der ausführlichen Darstellung der Schulgeschichte durch Franz Josef Faas, erschienen in: Franz Josef Faas, Regino-Gymnasium Prüm. 450 Jahre Schulgeschichte, Trier 1989. Ergänzende Informationen stammen aus: Festschrift zur 75jährigen Jubelfeier des Staatlichen Gymnasiums Prüm, 1927. Die Fotos stellte uns freundlicherweise Herr Theo Hafner aus seiner Privatsammlung zur Verfügung. Die neuere Schulgeschichte wird im Beitrag von Herrn Johannes Horn zusammengefasst.)