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Die "Höhere Schule" in Prüm 1852

Am 6. Juli 1852 begann der Unterricht an der höheren Schule mit 20 Schülern. [2] Mädchen erhielten im Prümer Raum erst 1870 die Möglichkeit, sich weiter zu qualifizieren, als die Franziskanerinnen von Nonnenwerth eine "Höhere Töchterschule" gründeten, die zunächst in der Abtei untergebracht war. Das Schulgeld betrug in den Anfangsjahren für die Sexta vier, für die Quinta fünf und für die Quarta sechs Taler. Nach Erlangung der "Quarta-ReifeW mussten die Schüler die Prümer Schule verlassen und den Abschluss an einer anderen Schule, beispielsweise am Königlichen Gymnasium in Trier, anstreben. Von Anfang an zwiespältig war das Verhältnis zwischen dem preußischen Staat und der katholisch geprägten Bevölkerung. So konnte erst 1856, nach langwierigem Streit zwischen katholischer Geistlichkeit und protestantisch-preußischer Verwaltung, das Fach katholische Religion in Prüm unterrichtet werden, evangelischer Religionsunterricht existiert seit 1885 an unserer Schule.
Grundlage der damaligen Gymnasien war die Neuordnung des höheren Schulwesens durch Wilhelm von Humboldt. Die in der Folgezeit aufgestellten Lehrpläne legten großen Wert auf eine Fülle abfragbaren Wissens. Am Schluss des Schuljahres wurde eine öffentliche Abschlussprüfung unter Teilnahme der Eltern und der Schulkommission, bestehend aus Bürgermeister, Landrat, Schulleiter, Mitgliedern des Stadtrates und der Geistlichkeit, abgehalten. Die darauf folgenden Schlussfeierlichkeiten erinnern in ihren Grundzügen stark an heutige Abschiedszeremonien: "Gesang, Deklamation, Rede des Rektors, Verteilung der Prämien und Gesang."
1856 erhielt die Schule, scheinbar nach bestandener Probezeit, den Rang eines Progymnasiums. Wichtiger als die Änderung des Titels blieb jedoch der Ausbau der Klassenstufen. Erst 1862 konnte eine Tertia eingerichtet werden, 1872, die Schule hatte mittlerweile 89 Schüler, eine Unter- und Obersecunda. Lediglich die Prima musste nun also noch an einer anderen Schule abgeleistet werden. Im Schuljahr 1886/87 stammten neun Schüler aus der Osteifel, acht von der Mosel, 15 von der Saar und 39 aus dem Raum Bitburg-Prüm. Aufgrund der schwierigen Verkehrsverhältnisse, erst 1883 wurde die Eisenbahn von Gerolstein nach Prüm gebaut, wohnten demnach über die Hälfte der Schüler in Privatquartieren – bei sogenannten Kostgebern - in der Stadt. Hier wurden sie von ihren Klassenlehrern betreut und beaufsichtigt. Wie weit der Arm der Schule damals noch reichte, zeigen einige Notizen über verhängte Disziplinarmaßnahmen in den 80er Jahren: So machten einige Schüler Bekanntschaft mit dem Karzer (einer Art Arrestzelle) unter anderem aus folgenden Gründen: Besuch eines Wirtshauses, Bierkonsum auf einer Kirmes oder lärmendes Singen in der Öffentlichkeit.
Das Jahr 1887 brachte hinsichtlich der Schülerzahlen einen deutlichen Zuwachs. Der Trierer Bischof Michael Felix Korum richtete ein Konvikt in Prüm ein, dem zunächst 18 Schüler angehörten. Nach kurzer provisorischer Unterbringung der Schüler in einem Haus an der Hahnstraße, konnten diese noch im selben Jahr in den eigens errichteten Neubau einziehen. 1889 wohnten von den insgesamt 181 Schülern des Gymnasiums bereits 80 im Konvikt.
Wegen eines starken Lehrermangels im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts kam es zu einer Reihe von Neugründungen von Lehrerseminaren in der Rheinprovinz. So entstand in Prüm 1885 ein "Königliches Lehrerseminar", das im Nordhaus des Schlossbaus untergebracht war. Sieht man sich die Kollegenlisten dieser Epoche an, so treten einem immer wieder Lehrer mit dem Professorentitel entgegen. Diese für heutige Verhältnisse befremdlich anmutende Erscheinung resultierte daraus, dass festangestellte Lehrer nach 15 ½ Dienstjahren ganz regulär den Professorentitel erhielten, bis dahin waren sie sogenannte Oberlehrer.
Nach wie vor blieb der Ausbau des Progymnasiums zu einer "Vollschule" wichtiges Ziel für die Prümer Stadtpolitiker. Die Bestrebungen in diese Richtung wurden allerdings immer wieder durch die zuständige Behörde, dem Provinzialschulkollegium in Koblenz, abgewiesen. Erst 1892 wurde die Schule zum vollständigen Gymnasium erweitert.

(Quellen: [1] Dieser Beitrag bildet im Wesentlichen eine Kurzfassung der ausführlichen Darstellung der Schulgeschichte durch Franz Josef Faas, erschienen in: Franz Josef Faas, Regino-Gymnasium Prüm. 450 Jahre Schulgeschichte, Trier 1989. Ergänzende Informationen stammen aus: Festschrift zur 75jährigen Jubelfeier des Staatlichen Gymnasiums Prüm, 1927. Die Fotos stellte uns freundlicherweise Herr Theo Hafner aus seiner Privatsammlung zur Verfügung. Die neuere Schulgeschichte wird im Beitrag von Herrn Johannes Horn zusammengefasst.)


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