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Wurzeln und Vorgeschichte

Da Prüm durch seine Klostergeschichte über eine lange Tradition im Bereich der schulischen Bildung verfügt, soll hier zunächst ganz kurz ein Überblick über die Wurzeln unserer Schule gegeben werden, der keine Vollständigkeit zum Ziel haben kann, sondern lediglich auf die schulische 'Vorgeschichte' des Jahres 1852 hinweisen möchte.
Die bereits 1539 erwähnte Stiftsschule in Prüm war die älteste Trivial- oder Elementarschule des Prümer Landes. Sie war eine "allgemeine Schule", d. h. eine lateinlose "Deutsche Schule", in der Jungen und Mädchen gemeinsam unterrichtet wurden. Als Volksschule, die nicht mit einer gymnasialen "Höheren Schule" gleichzusetzen ist, existierte sie im 18. Jahrhundert fort. Im Mittelalter und in der frühen Neuzeit hatten sogenannte Artistenfakultäten die Schüler auf die höheren Fakultäten und Universitäten vorzubereiten. Im Laufe des 17. und 18. Jahrhunderts lösten Gymnasien diese nach und nach als studienvorbereitende Institutionen ab. Vor allem die Jesuiten hatten sich der Förderung des Schulwesens verschrieben und so wurden in Trier (1561), in Luxemburg (1594) und in Münstereifel (1625) Jesuitengymnasien gegründet.
Das Ende dieses kirchlichen und damit im unserem Falle kurfürstlichen Schulsystems kam mit den napoleonischen Eroberungen seit 1794. Die Franzosen etablierten ein neues, staatliches Schulsystem, dass auf drei Säulen gründete: der école primaire, der école central und der école special. In Trier wurde 1789 eine école central eingerichtet, die 1801 75 Schüler beherbergte. Nach einer Reform dieses Systems 1804 wurden neben der école primaire, die école secondaire und weiter das Lyceum und die Spezialschule etabliert.
In diesem Zusammenhang stand Prüm nun im Jahre 1803 vor einer großen Herausforderung. Erstmals seit Ende der mittelalterlichen Doppelklosterschule sah man im Ort die Möglichkeit zum Greifen nahe, eine weiterführende Schule – eine Sekundärschule – einzurichten. In der Zwischenzeit hatte vor allem Trier zentrale Bedeutung für die Schüler des Prümer Raumes gehabt, die eine höhere Schule besuchen konnten. Napoleon selbst weilte 1804 in Prüm - eine Marmorbüste im Museum erinnert noch heute an den hohen Besuch - und soll das Projekt wohlwollend unterstützt haben. Dennoch scheiterte die Initiative an zahlreichen Widerständen innerhalb der napoleonischen Verwaltung. Gegen Ende der französischen Herrschaft, als die preußischen Truppen mit ihren Verbündetet schon vorrückten, versuchte man in Prüm noch in aller Eile, nicht zuletzt, um sich von Seiten der Gemeinde die Vorrechte an dem ehemaligen Abteigebäude zu sichern, vollendete Tatsachen zu schaffen und gründete eine höhere Schule, ein sogenanntes Progymnasium. Trotz hoffnungsvollem Anfang musste diese Schule allerdings bereits 1822, mittlerweile bestand sie nur noch aus einem Lehrer und vier Schülern, wieder eingestellt werden. So existierte bis in die 40er Jahre des 19. Jahrhunderts hinein die Prümer Schule in der ungefähr 2300 Einwohner zählenden Gemeinde als "Höhere Stadtschule" weiter - sie hatte lediglich eine vorbereitende Funktion für das Gymnasium zu erfüllen.
Erst 1849 beantragte der Stadtrat erneut die Gründung einer höheren Schule – übrigens fünf Wochen vor der Erstürmung des Prümer Zeughauses im Zusammenhang mit den revolutionären Ereignissen der Jahre 1848/49. Dennoch zogen sich die Verhandlungen mit den Zuständigen preußischen Verwaltungen noch bis ins Jahr 1852 hin, bis die königlich preußische Regierung in Trier die Genehmigung zur Wiedereröffnung einer höheren Schule in Prüm erteilte.

(Quellen: [1] Dieser Beitrag bildet im Wesentlichen eine Kurzfassung der ausführlichen Darstellung der Schulgeschichte durch Franz Josef Faas, erschienen in: Franz Josef Faas, Regino-Gymnasium Prüm. 450 Jahre Schulgeschichte, Trier 1989. Ergänzende Informationen stammen aus: Festschrift zur 75jährigen Jubelfeier des Staatlichen Gymnasiums Prüm, 1927. Die Fotos stellte uns freundlicherweise Herr Theo Hafner aus seiner Privatsammlung zur Verfügung. Die neuere Schulgeschichte wird im Beitrag von Herrn Johannes Horn zusammengefasst.)